Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

5.12. Das Marktgewölbe zu Nürnberg

XII.
Das Marktgewölbe zu Nüruoerg.
Von Herrn Handelsappellrath Dr. v. Völderndorff.

Daß die Gesetzgebung eine dem Leben entsprechende, das Recht
ein volksthümliches, allen Ständen verständliches werden solle, ist
ein wohl von Niemanden mehr angestrittenes Postulat. Welche
segensreiche Folgen aber eine volksthümliche Rechtspstege, eine Ge-
richtsverwaltung mit sich bringt, die aus dem Leben herausgenommen
ist und mitten im lebendigen Verkehr bleibt und wirkt, das wird nur
dann vollkommen klar, wenn man eine solche Rechtssprechung vor
sich sieht.
Ich setze den Fall, die Zeitungen würden von einem irgendwo
in der Welt bestehenden Gerichte erzählen, bei welchem Streitigkeiten,
die sonst wohl jahrelange Processe veranlassen und an Stempeln,
Taxen und Advocatengebühren Hunderte von Thalern verschlingen
möchten, innerhalb 24 Stunden regelmäßig ihre Entscheidung finden,
ohne daß dafür dem Staate oder dem Rechtsuchenden irgend welche
Kosten erwachsen; es würde dann weiter berichtet, wie die Urtheile
dieses Gerichtes bei den Streitenden selbst eine solche Achtung ge-
nießen, daß unter Tausenden von Fällen kaum einmal appellirt
wird — sollte man nicht denken, daß ein solches segensreiches Institut
längst allgemeine Nachahmung gefunden hätte?
Es besteht nun aber ein Gericht, von welchem alles oben Ge-
sagte buchstäblich wahr ist; das sogenannte Mercantil-Frie-
dens-und Schiedsgericht, welches zu Nürnberg im „Markt-
gewölbe" seinen Sitz hat. Dieses Gericht ist kein bloßes Vermitt-
lungsamt oder Schiedsgericht (wie sein Name anzudeuten scheint),
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