Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

Anspruch auf Erfüllung und ist auf Schadensersatzforderung ange-
wiesen; der Verkäufer hat nicht so fast den Art. 355 als den Art. 335
verletzt, er haftet nicht wegen „Verzuges in der Erfüllung," denn er
hat factisch geleistet, sondern wegen Mangels der vertragsmäßigen
oder gesetzmäßigen Beschaffenheit der Waare (Art. 349). Anderer-
seits ist der Käufer auch nicht gehalten, sich eineFiachlieferung gefallen
zu lassen; er kann sofort vom Vertrage znrücktreten und seinen Scha-
den liquidiren.
Diese in einem Erkenntnisse des k. Handelsappellationsgerichtes
zu Nürnberg (Sammlung, Bd. II, Nr. 145) gleichfalls adoptirte
Ansicht wird im Handelsverkehre allgemein als richtig geübt; überall
im Geschäftsverkehre wird vorausgesetzt, daß der Käufer, welcher die
gelieferte Waare zur Disposition stellt, ausdrücklich und sofort die
Lieferung anderer Waare verlange. Thut er dieß nicht, so wird sein
Stillschweigen als die Erklärung angenommen, daß er sich lediglich
von der Verbindlichkeit zur Empfangnahme der Waare befreit wissen
wolle und auf einer Nachlieferung nicht bestehe, vielmehr solche
ablehne.
Praktisch zeigt sich die Richtigkeit alsbald, wenn man z. B. an
den häufigen Fall denkt, daß auf die Factura hin weiter verkauft
wurde; hier wäre es offenbar unbillig, denjenigen, welcher die Waare
zur Disposition stellte, aber seinen Nachmann sofort decken muß,
erst noch an den Art. 356 zu binden;, ebenso in anderen ähnlichen
Fällen.

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