Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

Excurse zu einigen Theilen deS Seerechts.

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doch von selbst, daß auch dieses nicht ausgeschlossen ist, denn durch
die später verwertheten Geißeln sind ja Schiff und Ladung ebenfalls
„losgekauft" worden, oder wie es in Abs. 2 heißt: die Geißeln waren
„zum Loskaufe gegeben worden." — Eben so gehört jedenfalls hier-
her, wenn der Nehmung des Schiffs einstweilen nur ein Revers
gegeben, dieser aber später an einem in demselben bestimmten Orte
eingelöst worden ist. — Wilda, a. a. O., S. 190; preuß. Land-
recht, § 1829. —
Die im Artikel gegebenen sieben Fälle schließen indeß den Kreis
der möglichen Fälle großer Havarie keineswegs, und man darf wohl
annehmen, daß der Artikel nur eine Exemplifikation der prägnantesten
Fälle enthält. Das beweiset einmal, daß das Gesetz nicht mit be-
stimmten Worten sagt, daß andere Fälle nicht zu beachten seien, und
dann, daß die Eingangsworte des Artikels die große Havarie „na-
mentlich (also nicht ausschließlich) in folgenden Fällen" finden.
Das preußische Gesetzbuch — Landrecht a. a. O. — zählt noch zur
großen Havarie § 1827 das „Stillliegen wegen Convoh," oder das
Warten auf die wegen besorglicher Feindesgefahr verheißene oder
erbetene schirmende Schiffsbegleitung, ingleichen das Stillliegen in
einem neutralen Hafen aus gleichem Grunde, in welchem Falle die
Heuer und der Unterhalt des Schiffsvolkes für diesen Zeitraum als
große Havarie vergütet wird, — ferner § 1829 das „Prangen,"
oder das, um Strand und Klippen zu vermeiden, mit allen auf-
gesetzten Segeln unternommene Entgegenfahren gegen Sturm und
Wetter, was selten ohne Schaden abgeht, und endlich § 1839 die
außerordentlichen Kosten, welche zur Fortsetzung der Reise verwendet
werden müssen, und eiven Thaler, auf die Schiffslast gerechnet,
übersteigen.
Zu Art. 709 beziehe ich mich zuförderst auf dasjenige, was ich
oben in der Einleitung zu diesem Titel § 11 von der Eintheilung der
Havarie überhaupt, und insbesondere zu Art. 703 gesagt habe. Die
französische Gesetzgebung zählt die kleine Havarie nicht mit zur
Havarie. Im .Axt 406, liv. II, tit. XI heißt es, nachdem eine An-
zahl von Schäden aufgeführt worden, „ne soirlf point avaries,
mais ils sont de simples frais k la eharge du navire.“
Zu Nr. 2. „Reclame" ist im Seerecht die Zurückforderung des
aufgebrachten (weggenommenen und in einen sichern Hafen gebrach-
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