Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

stände in der Art eingegangen wird, daß der Gläubiger wegen seiner
Ansprüche nur an die verpfändeten (verbodmeten) Gegenstände nach
Ankunft des Schiffes an dem Orte sich halten könne, wo die Reise
(Bodmereireise) enden soll." Der Bodmereivertrag nach früherem
Rechte umfaßte drei besondere Verträge: einen Darlehus-, einen
Hypotheken- und einen Assecuranzvertrag. Der in unserem H.-G.-B.
ist einfacher; er ähnelt dem vorzugsweise von der französischen Ge-
setzgebung — Code de Commerce, Liv. II, tit. IV, Art. 311 flg.—
cultivirten Contrat a la Grosse Aventure („Aventure“ gewagte
Handelsspeculation), — Großaventurehandel — oder dem „Dar-
leihen auf zur See zu versendende Maaren, woran der Darleiher ein
dingliches Recht hat, dafür aber die Seegefahr derselben trägt" —
Wilda, a. a. O. S. 246 —. Durch manche Seegesetze ist Hwar
dieser Vertrag, weil er in eine oft gefährliche Wette ausarten kann,
verboten, — Emerigon Träite des Assecurances et de conr
trat a la Grosse. Paris 1827, Vol. II—; indeß in gesetzliche
Schranken gebracht ist er ein sehr heilsames Institut des Seerechtes,
zumal das Versicherungswesen gegen Seegefahr Gegenstand beson-
derer legislatorischer Bestimmungen im 11. Titel des Handelsgesetz-
buches geworden ist. — Für diese Großaventur hat man in England
einen eigenen Contract unter dem Namen „Correspondentia."
Der Ursprung des Namens „Bodmerei" ist schwer zu ergrün-
den, da er ein sehr alter, in allen Sprachen sich vorfindender ist.
Forschungen an dieser Stelle würden aber eben so zeit- und raum-
raubend, als nutzlos sein. Wilda in Weiske, Rechtslexikon,
2. Bd., S. 245 nimmt an, daß der Name von „Boden" (Kiel) her-
komme, weil darauf das Darlehn ausgenommen werde. Das harmo-
nirt nun auch damit, daß der iu nnserm Handelsgesetzbuch — Art.
683 flg. — vorgeschriebene „Bodmereibrief" (der schriftliche Dar-
lehnsvertrag über die „Verbodmung") allerdings bisweilen auch
„Kielbrief" genannt wird, was auf das „Lichten auf den Kiel" deutet.
— Auch ist jene Vermuthung nicht blos und nicht erst von Wilda
anfgestellt worden, sondern schon ein Hamburger Jurist Kentzler
sagt 1683: „Lodrneria a vernacula voce Bodem '^) descendit,

*) Mittermaier in den Grundsätzen des gemeinen deutschen Privatrechts,
§ 216 Verb, mit Note 4, 2. Abtbl., S. 422 flg., 3. Ausg. leitet den Namen von

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