Volltext: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

Nach Art. 406 soll der Empfänger nach Annahme des Guts
den Schiffer die Fracht bezahlen. Früher ist er dazu nicht ver-
pflichtet.
Das Pfandrecht, welches der Schiffer wegen der Fracht nach
Art. 409 an dem Gute hat, dauert allerdings auch noch nach der
Ablieferung fort, aber nur so lange, als der Empfänger sich im
Besitze desselben befindet. Hat also der Empfänger das Gut
während der Ausladung oder vor derselben verkauft und ist dasselbe
in die Magazine des Ankäufers gebracht worden, so ist das Pfand-
recht des Schiffers eine Illusion geworden.
2) Das H.-G.-B. enthält keine Bestimmung darüber, daß der
Schiffer das Recht hat, Empfangsbescheinigung zu fordern. Dieses
Recht muß ihm aber unläugbar nicht nur nach beendigter Ausladung,
sondern auch während derselben zustehen. Nur beim Vorhandensein
eines Ladescheins enthält das Gesetz darüber eine Bestimmung.
(Art. 418.)
3) In Art. 418 heißt es:
„Der Frachtführer ist zur Ablieferung des Guts nur gegen Rück-
gabe des Ladescheins, auf welchem die Ablieferung des Guts zu
bescheinigen ist, verpflichtet."
Der Gesetzgeber hat diese Sache offenbar behandelt, als wenn ein
Wechsel mit der einen Hand und das Geld dafür mit der andern Hand
gegeben würde, nicht aber, als ob es sich von einer Schiffsladung
handelt, deren Empfangnahme Wochen lang andauert.
Sollte es denn wirklich nicht möglich sein, für derartige Fälle
durch allgemeine Bestimmungen die Rechte des Schiffers wie des
Empfängers sicherzustellen? Im Norden Deutschlands mußte,
was den letzten Fall angeht, nach althergebrachtem Rechte der Fracht-
führer mit seiner Leistung vorangehen, konnte aber wegen seiner An-
sprüche Regreß gegen den Versender nehmen. Bei der Berathung
zu Nürnberg fand dieses System keinen Eingang, man glaubte, davon
ausgehen zu müssen, daß weder der Frachtführer vorleisten müsse,
noch der Empfänger, daß vielmehr die gegenseitigen Leistungen Zug
um Zug zu geschehen hätten. Werden erfahrene Schiffer und Kauf-
leute dieser theoretischen Ansicht beitreten können?

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