Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

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Abhandlungen.

Es müsse ihm also auch gestattet sein, sowohl den einen wie den anderen
Weg zu benutzen, um zu seinem Ziele zu gelangen.
In der That sind aber die vom Kläger zu beweisenden Thatsachen
durchaus verschiedene, jenachdem er als Commissionär oder als Käufer
klagt.
War nämlich der Kläger, wie er im vorliegenden Falle behauptete,
als Commissionär anzusehn, so hatte er zunächst zu beweisen, daß er
wirklich im Mai 1865 die 3000 Dollars zum Course von 733/4 ange-
kauft hatte, weil dieß vom Verklagten bestritten war.
Verweigerte nun der Verklagte die Uebersendung der 3000 Dol-
lars amerikanische Obligationen zum Lieferungstage, am 30. Juni,
so war der Commissionär wohl befugt, wie er gethan zu haben be-
hauptet, diese Obligationen schon am 29. Juni für Rechnung des
Verklagten anzukaufen. Doch mußte er, daß er dieß gethan, dem
Verklagten Nachweisen, weil der Auftraggeber nach Art. 371 des
H.-G.-B. dem Commissionär nur dasjenige zu ersetzen braucht, was-
für ihn der Commissionär wirklich nützlich aufgewendet hat. Wäre
also z. B. vom Commissionär durch Abkommen mit dem Käufer der
auf den 30. Juni festgesetzte Lieferungstag weiter hinausgeschoben,
und das Geschäft an dem späteren Tage in einer dem Auftraggeber
günstigeren Weise durch billigeren Cours der Obligationen abgewickelt,
so müßte dem Letzteren dieß zu Statten kommen.
War dagegen der Verklagte, wie er eventuell will, als Selbst-
käufer anzusehn, so stand ihm nach Art. 355 des H.-G.-B. die Be-
fugniß zu: statt der Erfüllung vom Verklagten Schadenersatz wegen
Nichterfüllung, also den Unterschied des Courses der Papiere zwischen
dem Preise, zu dem er vom Verklagten gekauft hatte, und dem Course
des Lieferungstages, also dem 30. Juni, einzuklagen. Wenn Kläger
statt dessen den Preis des 29. Juni der Berechnung des Unterschiedes
zum Grunde legt, weil er an diesem Tage die Obligationen zu seiner
Deckung gekauft habe, so greift er fehl. Verlangt er Schadenersatz
wegen Nichterfüllung, so hat er kein Recht, die Lieferung der
Obligationen zu beanspruchen. Jedenfalls hatte er erst am 30. Juni
die Lieferung zu erwarten, und es kommt nach Abs. 3 des Art. 357 nur
auf den Cours an, welchen die Obligationen am 30. Juni hatten.
Noch mehr fällt dieser Unterschied in dem Fall in die Augen,
wenn der Commissionär beauftragt wird, Maaren ein zu kaufen.

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