Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

Ueber die Rechte und Pflichten des Commissionärs rc.

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zum Commissionär oder in dem Verhältniß eines Verkäufers zum
Käufer steht.
Bei allen Handelsgeschäften bildet indeß die Zahlungsfähigkeit
des anderen Contrahenten einen wesentlichen Factor der Speculation.
Schon um deßhalb liegt es im Interesse des Auftraggebers zu wissen,
ob er es nach der Anzeige des Commissionärs über Ausrichtung des
Auftrags lediglich mit dem Commissionär zu thun hat, oder ob dieser
nur die Mittelsperson ist. Kann der Auftraggeber das Letztere an-
nehmen, so werden ihn die Vermögensverhältnisse des Commissionärs
nicht so sehr interessiren, als wenn dieser Selbstcontrahent ist.
Stände aber wirklich dem Commissionär, welcher dem Auftrag-
geber angezeigt, daß er dessen Auftrag ausgerichtet und z. B. das Gut
zu dem aufgegebenen Preise verkauft habe, immer noch die Befugniß
zu, als Selbstkäuser aufzutreten, so gäbe dieß dem Commissionär ein
leichtes Mittel in die Hand, die Bestimmung des Art. 372 zu um-
gehen. Nach diesem Artikel soll dem Auftraggeber allein der Vor-
theil zu Statten kommen, wenn vom Commissionär zu vortheilhafteren
als den angezeigten Bedingungen der Verkauf mit einem Dritten abge-
schlossen ab. Hat nämlich der Commissionär bei Empfang des Auf-
trages Bedenken, das Wagniß des Geschäftes für sich selbst zu über-
nehmen und als Selbstkäuser einzutreten, zeigt er vielmehr dem Auf-
traggeber an, daß er den Verkauf zu dem ihm gesetzten Preise bewirkt
habe, so hat der Auftraggeber nach Art. 372 das Recht, die Zahlung
des ihm verschwiegenen höheren Betrages des Kaufpreises von dem
Commissionär zu verlangen. Dieser könnte aber seiner wohlbegrün-
deten Verpflichtung, wenn die Ansicht des Stadtgerichts zu Frank-
furt a. M. richtig wären, dadurch entgehn, daß er sich plötzlich als
Selbstkäufer entpuppt.
Ging umgekehrt der Auftrag dahin: der Commissionär solle
Maaren einkaufen, und er zeigt dem Auftraggeber an, daß er die
Maaren für ihn gekauft und hinter sich habe, so hat der Commissionär,
wie in dem Erkenntniß des Obertribunals zu Berlin vom 20. März
1851 (Striethorst, Archiv, Bd. 1, S. 20) ausgeführt ist, die
Maare als ihm für den Auftraggeber übergeben und als ein dem-
selben gehöriges Gut anzusehen und aufzubewahren, sich auch jeder
Disposition über die Maare zu enthalten. Dieses Verfügungsrecht
des Auftraggebers über die angekauste Maare könnte aber der Com-
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XI. 6

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