Full text: Volume (Bd. 11 (1867))

108 Abhandlungen.
übliche Zeit hinausschiebe, und so die Erfüllung der Bedingung ver-
hindere.
Ende mann (Hdlsr., § 109, Note 28, S. 526. 527.) erklärt
den Credit bis zum Wiederverkauf für eine zu vage Zeitbestimmung,
die sich allgemeinhin nicht entscheiden lasse, unter Alle-
girung von Kletke's Sammlung!, Nr. 157. 158, Schletter's
Jahrb., Bd. 7, S. 342, Heise-Cropp, Abh., Bd. I, S. 425 flg.,
welche Werke uns nicht zugänglich gewesen sind. Dem ist insofern
beizutreten, als in einem Lehrbuche oder Systeme, wie das von Ende-
mann, welches sich aus die leitenden Principien beschränken muß
und in das Detail der Specialfragen nicht herabsteigen kann, aller-
dings für eingehende Erörterung solcher Specialfragen kein Raum ist.
Auch wir sind weit entfernt, die in dieser Abhandlung versuchte
Interpretation und Classificirung des Parteiwillens als absolute
und definitive Norm hinzustellen. Wir haben überall bevorwortet,
daß wir nur etwas Relatives und Hypothetisches zu geben suchen,
welches seine Bedeutung verliert, sobald besondere Umstände eine
entgegengesetzte Auslegung rechtfertigen.
Aber selbst in dieser hypothetischen Form durfte das Gegebene
nicht als ein suxerlluurn erscheinen. Gewiß ist es sehr sachgemäß
und erfreulich, daß die Nürnberger Commission in den Art. 278.
279 H.-G.-B. und in vielen anderen Fällen dem Ermessen des
Richters und feiner lebendigen Thätigkeit einen weiteren Spiel-
raum gegeben hat. Denn gerade im Handelsrecht wird der Gesetz-
geber von jenem Principe des Venulejus:
Magi» est, ut totam eam rem adjudicem, id est ad
virum bonum, remittamus, qui aestimet (fr. 137, § 2,
D. 45. 1.)
einen ausgedehnten Gebrauch zu machen haben. Damit ist indeß
nur das eine Negative gethan, daß die Rechtsquellen des Handels-
rechts von dem casuistischen Unkraut gereinigt sind. Ob und was
nunmehr positiv auf diesem also gereinigten Boden erwachsen
werde, das muß der Gebrauch lehren, den der Handelsrichter von der
ihm eingeräumten Freiheit macht.
Denn das bleibt unumstößlich gewiß, daß jenes „freie Ermessen"
nicht nach einem vagen ^Migkeitsgefühl, nach augenblicklichen geist-
reichen Einfällen, oder gar nach der absolut freien Laune und Will-

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