Full text: Volume (Bd. 17 (1869))

XL Die Einführung der allg. d. Wechsel-Ordnung,
Dieser Vorbehalt war sehr unbedenklich. Art. 610 des H.-G.-B.s,
um den es sich hier allein handelt, verfügt, daß der Empfänger des
per Seeschiff transportirten Frachtgutes binnen 48 Stunden nach der
Uebernahme desselben die nachträgliche Untersuchung des Zustandes
der Waare in Gemäßheit des Art. 609 vorzunehmen hat, widrigen-
falls alle Ansprüche wegen Beschädigung oder theilweisen Verlustes
erlöschen.
Nach den gegebenen Verhältnissen erscheint diese Frist für Ham-
burg häufig zu kurz. Das Frachtgut läßt sich in dieser Weise erst
in der Niederlage, dem Speicher u. s. w. des Empfängers untersuchen.
So lange Docks oder Niederlagen am Hafen fehlen, müssen die
Waaren vom Bord des Seeschiffs aus erst nach den größtentheils
in der Mitte der Stadt gelegenen Speichern der Empfänger hin-
geschafft werden. Dieß geschieht auf den die Stadt durchziehenden
Canälen durch die sogenannten Schuten. Da nun zur Verladung
in letztere und zur Ausführung des Transports, den die Nacht, der
Wassersland, die Witterung und andere Umstände den Ewerführern
leicht unterbrechen oder erschweren, oft ein Zeitraum von mehr als
48 Stunden nöthig wird, so läßt sich eine Erweiterung der von der
Uebernahme an Bord des Seeschiffs zu berechnenden Prüfungsfrist
nicht wohl entbehren.16) Bei der Wichtigkeit der Sache, da etwa
15 bis 16 Millionen Centner im Jahre auf die beschriebene Weise
durch Schuten gelöscht werden, war der Vorbehalt, der nach keiner
Seite hin berechtigte Interessen verletzt, sicher gerechtfertigt.
§5.
Die in Gemäßheit der §§ 16 und 52 der unter dem
2. Juni 1864 von dem Senate der freien Hansestadt Bre-
men publicirte obrigkeitliche Verordnung, betreffend die
Einführung des allg. deutsch. H.-G.-B.s den Privatgläu-
bigern eines Handelsgesellschafters in Ansehung des
Vermögens einer Handelsgesellschaft zu der Zeit, zu
welcher dieses Gesetz in Geltung tritt, zustehenden Pfand-
und Vorzugsrechte bleibt unberührt.

16) Vergl die Commissionsberichte (Note 13), S. 85 bis 86.

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