Full text: Volume (Bd. 17 (1869))

Königreich Preuße». Art. 65.

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Ein solcher Umfang und Betrag der Beschädigungen liegt außer
der gewöhnlichen Annahme, und kann nur eine Folge einer beson-
deren Ungeschicklichkeit, Unachtsamkeit oder anderer Fehler
sein. Der Schade beruht dann auf besonderen außergewöhnlichen
Thatsachen, und diese müssen besonders angegeben und nachgewiesen,
sowie die Richtigkeit der dafür aufgestellten Liquidation unter Beweis
gestellt werden. Es ist daher theils unzureichend, theils unmotivirt,
wenn Kläger, unter Berufung auf Sachverständige, die allgemeinen
Behauptungen aufstellt,
daß ein Lehrling in einem kaufmännischen Geschäfte im ersten
Lehrjahre nicht blos gar keine Dienste dem Principal leistet,
sondern demselben vielfach hinderlich ist, und ihm gewöhnlich
wegen des Mangels und Uebung durch Zerbrechen von Ge-
fäßen, Verzapfen und dergl. Schaden verursacht, und daß für
das erste Jahr, wenn dieses allein in Betracht fällt,
die Aufwendungen des Principals diesem zum
Schaden, und lediglich zum Nutzen des Lehrlings rosp. seines
Ernährers gereiche.
Diese allgemeinen Aufstellungen stehen, beim Mangel besonderer
sie rechtfertigender Thatsachen, in Widerspruch mit der Sachlage,
und sind zu einer Beweisaufnahme durch Vernehmung von Sach-
verständigen nicht geeignet, da diesen die erforderliche thatsächliche
Grundlage zur Abgabe eines Gutachtens fehlen würde.
Art. 63.
Ladenmädchen als Handlungsgehülfen.*)
Erk. des Appellationsgerichts zu Magdeburg vom
31. Octbr. 1868. (Original-Beitrag.)
Das Dienstverhältniß, in welchem die Tochter des Klägers zu
dem Beklagten (Kaufmann F. zu Magdeburg) gestanden hat, ist nicht
nach der Gesinde-Ordnung, sondern nach dem H.-G.-B. zu beurthei-
len, weil die Tochter des Klägers als Ladenmädchen zum Ver-
kaufe von Spirituosen in dem Laden des Verklagten engagirt, also
Handlungsgehülfin im Sinne des H.-G.-B. war. In dieser Be-
urtheilung wird dadurch nichts geändert, daß die Tochter des Klägers

*) Vergl. Busch, Archiv, Bd. II, S. 156; Bd. V, S. 312.

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