Full text: Volume (Bd. 17 (1869))

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Königreich Preußen. Art. 61. flg

Der Verklagte (Nogge) hatte seinen Sohn dem Kläger auf drei
Jahre in die Lehre gegeben, nahm denselben aber noch im ersten Jahre
zurück. Kläger forderte deßhalb mit der Behauptung, daß die ihm
von dem Lehrling geleisteten Dienste werthlos seien, Bezahlung für
Kost, Wäsche und Wohnung. Aus dem abweisenden Erkenntnisse des
Obertribunals ist Folgendes hervorzuheben:
Die Rechte, die dem Kläger zustehen, regeln sich nach § 166.
167. 410. 411, a. L.-R., Thl. I, Tit. 5; § 877 flg. das. Thl. I,
Tit. 11, und Art. 283 H.-G.-B. Hiernach kann er Entschädigung
für das von ihm Geleistete verlangen, aber doch nur insoweit, als
er nicht bereits Gegenleistungen von dem Sohne des Beklagten
empfangen hat, weil er im Betrage und Werthe der Letzteren für
seine Leistungen bereits entschädigt ist. Während der ganzen Zeit,
für welche er dem Rogge^'un. freie Station und Wäsche gewährt hat,
hat er ununterbrochen dessen Dienste in seinem Geschäft in Anspruch
genommen und erhalten. Da diese Dienste das Aequivalent für seine
Leistungen bilden, so haben sie natürlicher Weise einen Werth, und
zwar einen in Gelde nach gutachtlichem Ermessen bestimm-
baren Vermögenswerth, durch dessen Abzug von dem Werthe
der Aufwendungen des Klägers der diesem durch die Aufhebung des
Vertrages erwachsene Schade, und demzufolge die Höhe der ihm ge-
bührenden Entschädigung festgestellt werden. Es gehört daher zur
Substantiirung des Klaganspruchs die nähere Angabe der
vom Sohne des Verklagten gewährten Dienstleistungen, der Nachweis
ihres Werthes, und der Abzug des letzteren von dem Werthe der
Leistungen des Klägers.
Nach dieser Richtung ermangelt aber die Klage durchaus der
erforderlichen Substantiirung.
Die Dienste des Rogge^'un. haben an sich für den Kläger einen
gewissen Werth gehabt, und wenn es auch in der Natur der Dinge
und in der Erfahrung begründet ist, daß ein Lehrbursche im An-
fänge der Lehrzeit manchen Schaden anrichten kann,
und auch wirklich anrichtet, so folgt hieraus durchaus nicht, daß
regelmäßig und nach einer durchweg für alle Fälle anzunehmenden
Erfahrung der hierdurch verursachte Schade in seinem Betrage den
Werth der Dienstleistungen erreicht, und den aus letzteren dem Prin-
cipal erwachsenen Nutzen völlig aufhebt.

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