Full text: Volume (Bd. 17 (1869))

Oesterreich. Art. 395.

151

unverzüglich vorgenommen wurde, und der Umstand, daß man ein
Sachverständigen-Gutachten einholte, zu einer andern Entscheidung
keine Gründe an die Hand gibt.

Art. 395.
DieErklärung desFrächters, fürdas ihm übergebene,
wenn auch zur Bezahlung von für die Rückfahrt zu em-
pfangenden Frachtstücken bestimmte Geld nicht haften zu
wollen, ist nur dann von Bedeutung, wenn die Einwilli-
gung des Auftraggebers in diese Ablehnung
nachgewiesen ist.
Entscheidung des österr. obersten Gerichtshofes v. 11. März
1869, Z. 87 (allgem. österr. Gerichtszeitung, S. 151).
Der Tabakverleger A. Gabriel hatte mit dem Grundbesitzer
B. Weihrauch das Uebereinkommen getroffen, daß dieser, wenn er
nach Wien fahre, sein Tabakgeschirr mitnehme, in Wien Tabak und
Stempel für ihn fasse und zurückbringe, zu welchem Behufe er ihm
das nöthige Geld mitgab. Am 21. Febr. 1863 frug er denselben,
ob er an diesem Tage selbst nach Wien fahre, weil er ihm eine grö-
ßere Summe Geldes mitzugeben habe, was Weihrauch bejahte.
Doch kam dieser Nachmittags mit einem Kutscher, weil er selbst zu fah-
ren verhindert sei; der Commis des A. Gabriel versiegelte Geld und
Coupons in zwei Packeten und gab selbe dem Weihrauch, welcher sie
dem Kutscher C. Kreibich einhändigte, und dem A. Gabriel auf Be-
fragen die Auskunft gab, daß C. Kreibich der Sohn seines Nachbars
sei und er ihn als einen verläßlichen Menschen kenne. Nun fuhr C.
Kreibich mit dem Gelde fort, übergab aber selbes in der Nachtstation
zur größeren Sicherheit dem im Wirthshause bediensteten Haus-
knechte, welcher jedoch mit dem größten Theile, etwa 900 Fl. entfloh,
und erst nach längerer Zeit, jedoch ohne Geld, von der Behörde zu
Stande gebracht wurde.
Nun belangte A. Gabriel den B. Weihrauch auf den Ersatz
dieser 900 Fl. Der letztere entgegnete, daß er nur das Tabakgeschirr,
dann die Waare, Tabak und Stempel gegen Vergütung, daher als
Fracht für A. Gabriel befördert, das Geld aber stets nur aus Ge-
fälligkeit, ohne Lohn, mitgenommen und auch öfter dem A. Gabriel

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