Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

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Abhandlungen.

Lieferungsgeschäft abgeschlossen, bei dem nicht geliefert werden solle.
Es ist schon im Eingang dieser Ausführung auf das Unzureichende
dieses negativen Merkmals hingewiesen worden; allerdings findet das
Obertribunal den positiven Inhalt des Vertrags darin, daß auf die
Differenz speculirt und das Geschäft durch Herausgabe derselben
gelöst werde; allein es wird hierbei der Unterschied zwischen Specu-
lation und Wette vollständig übersehen. Bei der Wette wird die
eingesetzte Summe je nach dem Eintritt oder Nichteintritt eines
Ereignisses gewonnen oder verloren. Anders ist es bei der Specu-
lation. Wenn ich auf das Steigen einer Waare speculire und deß-
halb auf einen, zwei, drei Monate Lieferung kaufe, so kann ich die
Zwischenzeit benutzen, um wieder zu verkaufen. Kommt nun der
Lieferungstag, so beziehe ich von meinem Verkäufer und liefere an
meinen Käufer, oder ich weise meinen Verkäufer an, meinem Käufer
zu liefern. Offenbar ist der Preis des Lieferungstags für mich ganz
gleichgültig und ohne Einfluß auf mein Geschäft. Ich kann gewonnen
haben, wiewohl der Preis am Lieferungstag niederer steht, als mein
Ankaufpreis, wenn ich nämlich in der Zwischenzeit zu einem höhern
Preis verkauft habe. Ich kann aber auch verloren haben, wiewohl
der Preis am Lieferungstag höher steht, als ich angekauft habe,
wenn ich in der Zwischenzeit zu einem niedrigern Preis verkauft habe.
Mein Verkäufer ist durchaus in der nämlichen Lage, selbst wenn er
die verkaufte Waare nicht besitzt, sondern auf das Fallen speculirt.
Er kann nämlich die Zwischenzeit benutzen, um die Waare anzukaufen;
in diesem Fall ist sein Gewinn oder Verlust durchaus unabhängig
von dem Preis am Lieferungstag. Wie soll also die Analogie der
Wette hier paffen, auch ganz abgesehen davon, daß verbietende Gesetze
nicht einmal analogisch angewendet werden dürfen, was in unserm
Fall gewöhnlich ganz übersehen wird? Die Speculation erfordert
zwei Geschäfte, nämlich erstens das Speculations- und zweitens das
Realisationsgeschäft (vergl. Thöl's Handelsrecht § 88 u. 89 und
dessen Verkehr mit Staatspapieren § 4. 5. 6), die Wette dagegen
nur ein einziges, mithin kann das Lieserungsgeschäft nur dann mit
der Wette verglichen werden, wenn es ursprünglich so geschlossen ist,
daß Gewinn und Verlust nur allein von einem ungewissen Ereigniß
abhängt, wenn also die Parthieen dahin übereingekommen sind,
es habe die Eine an die Andere den Unterschied zwischen dem verab-

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