Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 657.

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für die richtige Auslieferung des Connossementsgewichtes denkbarer
Weise auf einen dreifachen Verlust bezogen werden kann: ein Manco
an Gewicht, verursacht durch natürliches Schwinden der Waare auf
der Reise; einen Verlust durch höhere Gewalt, namentlich Seeunfälle;
ein durch Menschenhand entstandenes Untergewicht, sei es, daß weni-
ger Getreide, als im Connossemente verschrieben, abgeladen worden,
sei es, daß der Schiffer und seine Leute von der Ladung entfremdeten;
da aber die Anlage 2 nicht zu beziehen ist auf das natürliche
Schwinden am Gewicht, weil ein solches am Totalgewicht der Ladung
bei Getreide auf einer Herbstseereise, wie der fraglichen, nicht eintritt,
indem höchstens das Getreide Feuchtigkeit anzieht, nicht aber eintrock-
net, und das Connossement ein specifisches Gewicht nicht enthält,
sondern nur ein Gesammtgewicht;
da die Anlage 2 ebenfalls nicht zu beziehen ist auf einen Verlust
am Connossementsgewicht durch Seeunfälle, weil sachlich die Ver-
gütung, die dann als Prämie zu betrachten wäre, nach den regel-
mäßigen Verkehrs-Verhältnissen zu gering sein würde für die Ver-
sicherung der Franchise (die weitere Assecnranz deckt die Police), und
weil solcher Auffassung formell die Worte „bei glücklicher Ankunft" —
nicht etwa „auf behaltene Ankunft" — entscheidend entgegenstehen;
da, wenn sonach die Garantie zu verstehen ist von der Haftung
des Beklagten für die richtige Abladung — für eine Entfremdung
würde der Schiffer immer einstehen —, dieselbe umsomehr einen
verständigen Inhalt hat, als die französischen Getreideabladungen
nicht zum Besten berufen sind, und in der Regel die Schiffer „Maß
und Gewicht unbekannt" zeichnen, so daß der Verfrachter (vergl.
Art. 657 das Handelsgesetzbuches) die Richtigkeit der Angaben des
Connossements über Zahl, Maaß oder Gewicht der übernommenen
Güter nicht zu vertreten hat, wie denn überhaupt eine Garantie des
Verkäufers für richtige Abladung im Allgemeinen den Rechtsverhält-
nissen beim Kaufe entspricht, während eine Garantie für natürlichen
Verderb, oder für höhere Gewalt auf der Reise gegen die allgemeinen
Regeln läuft und also sehr präcise übernommen werden müßte;
da, wenn der Beklagte ein Connossement geliefert hat ohne die
erwähnte Clausel, welches also seine Garantie deckte und die über-
nommene Verantwortlichkeit auf den Schiffer übertrug, an sich die
Stipulation der Anlage 2 dadurch nicht betroffen würde, weil der
^Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XIV. 17

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