Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 445. 451. 452 flg. 237
den dem letzteren zugefügten Schaden verantwortlich ist, mit dieser
Auffassung aber auch die in den Berathungs-Protocollen von der
Commission ausgesprochenen Ansichten in Einklang stehen würden,
indem eines Theils — wie dieß bereits in dem handelsgerichtlichen
Crkenntniß in der oberwähnten Sache ausgeführt worden — nach
allgemeinen Grundsätzen ein Verschulden des Lootsen zugleich als ein
Verschulden des Schiffers anzusehen sein würde, wenn der Schisser
unbefugterweife die Führung des Schiffes dem Lootsen überlassen
haben sollte, somit in jenen Artikeln des Gesetzbuchs immer nur aus-
gesprochen sein würde, daß die Rhederei für Versehen eines Lootsen,
dem befugterweise das Commando des Schiffes überlassen worden,
nicht hgfte, und anderen Theils jedenfalls die Majorität der Com-
mission von der Annahme ausging, daß, wenn befugterweise der
Schiffer das Commando dem Lootsen überläßt, die Rhederei wegen
eines Versehens des Lootsen nicht in Anspruch genommen werden
könne, darüber aber, unter welchen Umständen der Schiffer einem
Lootsen das Commando überlassen dürfe, allgemeine Rechtsregeln sich
nicht aufstellen ließen und demnach hierüber auch nichts in das Gesetz-
buch aufzunehmen sei, — wie denn auch Koch in seinem Commentar
(vgl. Note 3 u. 4 zu Art. 451) die Berathungs-Protocolle in diesem
Sinne auffaßt;
da nun aber, wenn jedenfalls die Majorität der Commission
dieser Ansicht war, es nicht als ein Redactionsfehler, sondern als
ein Ausdruck dieser Ansicht zu betrachten ist, wenn in dem Art. 740
der Zwangslootse der Schiffsbesatzung gegenüber gestellt wird;
da, wenn ferner der Ausdruck „Schiffsbesatzung" indem Art.
445 dahin definirt wird, daß zu derselben „der Schiffer, die Schiffs-
mannschaft, sowie die übrigen auf dem Schiff angestellten Personen"
zu rechnen seien, auch ganz abgesehen von dem Inhalt der Berathungs-
Protocolle, es nicht unbeachtet bleiben dürfte, daß „Anstellen" nicht
von solchen Personen gebraucht zu werden pflegt, welche lediglich für
eine, nur eine kurze Zeit erfordernde Thätigkeit oder Arbeit ange-
nommen werden und schon aus diesem Grunde es für wahrscheinlicher
gehalten werden müßte, daß man unter dem Ausdruck: „die übrigen
auf dem Schiff angestellten Personen" nur die im Art. 554 erwähnten
Personen verstanden wissen wollte, jedenfalls aber, wenn man den

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