Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 14 (1868))

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Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 380.

Gegen das vorstehende Erkenntniß haben beide Parteien das
Rechtsmittel der Appellation interponirt und hat das Obergericht am
17. Februar 1868 erkannt:
Da freilich der Spediteur seinem Auftraggeber in Betreff der
Thätigkeit, welche er, der Spediteur, persönlich auszuüben hat, für
jede culpa verantwortlich ist und mithin der Kläger, wenn er eine
der beklagtischen Firma beizumessende Vernachlässigung — abgesehen
von der angeblichen culpa iu eligendo — rücksichtlich der streitigen
8 Ballen genügend substantiirt hätte, auf Beachtung solchen Vor-
bringens und eventuell auf Anordnung eines Beweisversahrens hin-
sichtlich desselben Anspruch haben würde;
da jedoch die klägerischen Angaben über verspätete Aufmerksam-
keit der Beklagten auf das Fehlen dieser 8 Ballen und über nicht
zeitiges Einschreiten keineswegs genügen, um den erhobenen Vorwurf
begangener Vernachlässigung dergestalt zu substantiiren, daß auf An-
ordnung eines desfallsigen Beweisverfahrens im vorliegenden Processe
eingegangen werden könnte, auch die Bezugnahme auf eine in folle
vorgelegte Correspondenz die mangelnde Substantiirung selbst dann
nicht ersetzen würde, wenn die angestrichenen Stellen dieser Corre-
spondenz mehr, als im vorliegenden Falle zutrifft, geeignet wären, das
Material zu mittelbaren Schlüssen auf eine begangene Vernach-
lässigung darzubieten;
da die klägerische Beschwerdeführung darüber, daß das Handels-
gericht die Beklagten nicht auch ohne Weiteres für die Vernach-
lässigungen verantwortlich erklärt hat, welche dem von ihnen adhibirten
Ewerführer beigemessen werden, mit der nicht erst durch das Handels-
gesetzbuch zur Geltung gelangten Rechtsanschauung im Widerspruch
steht, der zufolge der Spediteur gleich jedem Beauftragten in Betreff
der Handlungen, welche er, der Natur der Sache gemäß, durch Ad-
hibirung selbstständiger Zwischenpersonen verrichten zu lassen hat, für
die Handlungen solcher Zwischenpersonen nicht ohne Weiteres, sondern
nur dann verantwortlich wird, wenn er sich einer Nachlässigkeit
in der Auswahl schuldig machte, auch der klägerische Versuch, dar-
zuthun, daß aus der Handlungsweise des Helms geschlossen werden
müsse, daß die Beklagten eine culpa in eligendo begangen haben,
nicht für gelungen erachtet werden kann;

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