Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

178 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 314. 315,382. A. 1. 2.
Positionen und wird dadurch dem Retentionsberechtigten ein Anderer
als zur Ausfolgung des in des ersteren Hand befindlichen Guts
gegenübergestellt, so würde das Retentionsrecht rein illusorisch sein,
wenn es wider diesen nunmehr Auslieferungsberechtigten darum nicht
geltend gemacht werden könnte, weil es nur wider den früheren Reten-
tionsgegner begründet und wirksam, dem Absender gegenüber aber
als exceptio ex juri tertii
Voigt, a. a. O., S. 260
erscheint. Es würde ebenso allgemeinen Rechtsbegriffen, wie insbe-
sondere dem Zwecke der Deckung, welcher dem Retentionsrecht unter-
liegt, widersprechen, wenn solchergestallt rein willkürlich durch Ver-
fügung des ursprünglichen Retentionsgegners die einmal mit Recht
begonnene Retention dem Inhaber gegen dessen Willen zerstört wer-
den könnte. Man muß vielmehr annehmen, daß die einmal begrün-
dete Retention dem Inhaber bleibt und mithin gegen denjenigen, wel-
chem die Verfügung über das Retentionsgut übertragen wird, inso-
fern opponirt werden kann, als die Herausgabe nur gegen Einlösung
zu geschehen braucht.
Hätten also vorliegend die klägerischen Mandanten die Disposi-
tionsstellung Rosmann's sofort, oder, wenn zulässig, noch nachträglich
ergriffen, so hatten doch die Beklagten, sofern sie nicht freiwillig ihr
Retentionsrecht auszugeben geneigt waren, die Befugniß, zu verlan-
gen, daß Kläger die Waare, an welche ihnen die Disposition zurück-
gestellt wurde, aus dem Verbände des Retentionsrechts lösten. Be-
klagte konnten durch einseitige Verhandlungen zwischen Rosmann
und Grüner & Heye, als Käufer und Verkäufern, nicht in die Lage
gebracht werden, das von ihnen aus dem Speditionsverhältniß er-
worbene Retentionsrecht einzubüßen. Mit Recht verweigern sie also
die Herausgabe an die Kläger vor Befriedigung des durch dieses
Recht zu deckenden Guthabens bei Rosmann, insofern Kläger ihr Ver-
langen der Auslieferung nur auf ein Recht stützen, welches ihnen erst
durch die Dispositionsstellung von Rosmann übertragen worden ist,
von der man sagen muß, daß sie nicht mehr Rechte übertragen konnte,
als Rosmann selbst besaß, also das Recht der Auslieferung nur vor-
behaltlich des bereits begründeten Retentionsrechtes der Beklagten.
Es erhellt daher aus dem bisher Erwogenen,
daß von Haus aus, vermöge eines Speditionsauftrags an die

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