Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

176 Bezirk des O.-A.-Gerichts zu Lübeck. Art. 314. 315. 382, A. I. 2.
Voraussetzungen an den Besitz der Sache geknüpftes, wenn auch min-
der intensives Recht, als das Pfandrecht, darnach streben mußte, sich
lediglich an die Fortdauer des Besitzes geknüpft und den Wechsel in
der subjectiven Berechtigung auf Herausgabe als gleichgültig erschei-
nen zu lassen.
Spuren davon würden schon aus dem römischen Rechte nach-
zuweisen sein. Auch ist von vornherein klar, daß das Retentions-
recht einen überaus mangelhaften Schutz der Ansprüche, um derent-
willen es aequitatis ratione gewährt wurde, darbietet, wenn es nur
so lange dauert, als es dem Retentionsgegner gegenübersteht, dagegen
verschwindet, sobald der letztere, was nur von seiner Willkür ab-
hängt, die Dispositionsbefugniß an dem Retentionsgegenstand ans
einen Andern überträgt. Man wird mithin zu unterstellen geneigt
sein, daß, wenn sichtlich auch nach anderen Richtungen hin aus kleinen
Anfängen das Retentionsrecht sich immer mehr erweitert und be-
festigt hat, der Satz, daß das einmal begründete Retentionsrecht auch
dritten Erwerbern des Dispositionsrechtes gegenüber wirke, daß mit-
hin, abweichend von der Berechtigung des Miethers, das Retentions-
recht die Befugniß sei, die Restitution so lange zu verweigern, bis
dem Retinenten das Seinige von dem die Herausgabe Fordernden
gewährt wird,
Großkopf, a. a. O., S. 98
allerdings in der Heranbildung begriffen sein'mußte.
Indessen bedarf dieß kaum einer ausführlicheren Darlegung.
Denn dafür, daß
b. im modernen Handelsrecht dem Retentionsrecht diese Bedeu-
tung beizumessen ist, sprechen die überwiegendsten Argumente.
In dieser Hinsicht lassen sich zunächst die einschlagenden Bestim-
mungen der neuesten Gesetzgebung, nämlich des deutschen Handels-
gesetzbuchs, anführen, von denen im Zweifel angenommen werden
darf, daß sie als Ausdruck der Rechtsüberzeugung einen Rückschluß
auf die vor seiner Einführung bestandenen Rechtssätze gestatten. Das
Handelsgesetzbuch wandelt eine Reihe von Retentionsberechtigungen,
wie namentlich auch die des Spediteurs, geradezu in gesetzliche Pfand-
rechte um, woraus zu schließen, daß sich das Wesen des Retentions-
rechtes bereits dem des Pfandrechtes allernächst genähert hatte,
vgl. auch N. Archiv I, S. 124.

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