Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

138 Bezirk des O.-A.-GerichtS zu Lübeck. Art. 313—316. 324. 342.
hatten, dasselbe protestiren ließ, Beklagte nicht einmal mit Gewißheit
schließen konnten, daß der Domiciliat jene Firma nicht mehr für
creditwürdig hielt, geschweige denn, daß in Betreff dieser Firma —
worauf es hier allein ankommt — bereits einer der Umstände sich
ereignet hatte, welche der Art. 314 unter 1 und 2 aufführt;
da — die zweite der obigen Fragen anlangend — unter der
„Uebergabe" im letzten Absatz des Art. 314 selbstverständlich nur die
Uebergabe an die Gläubiger, hier also an die Beklagten, gemeint ist,
diese Uebergabe aber hier gewiß nicht eher stattfand, bevor von der
Eisenbahnverwaltung die Güter selbst, oder die über dieselben aus-
gestellten Frachtbriefe den Beklagten überliefert wurden, indem bis
dahin die Eisenbahnverwaltung die Detention für den Absender aus-
übte und dessen Vorschriften Folge zu leisten hatte;
da hiernach angenommen werden muß, daß die Uebergabe der
28 Ballen stattfand, bevor Beklagte die Kunde von der Zahlungs-
einstellung der Firma Pohl erhielten, die Uebergabe der 50 Ballen,
nachdem Beklagte diese Kunde erhalten hatten, indem mand. nom.
Kläger concedirte, daß die 28 Ballen vor dem 3. Juni, die Beklagten,
daß die 50 Ballen nach dem 3. Juni von der Eisenbahnverwaltung
den Beklagten überliefert worden, auch der Frachtbrief über die
50 Ballen, ausweise des auf demselben befindlichen Stempels des
hiesigen Bahnhofs erst nach dem 3. Juni den Beklagten zugegangen
sein kann;
da — die dritte der obigen Fragen anlangend — der von den
Beklagten in der letzten Verhandlung geltend gemachte Umstand, daß
der Avisbrief, Anlage 1, obschon vom 30. Mai datirt, erst am 5. Juni
aus die Post gegeben und nicht vor dem 8. Juni ihnen, den Beklagten,
zu Händen gekommen sei, als irrelevant betrachtet werden muß, indem
Beklagte, als sie die beiden Frachtbriefe erhielten, darüber nicht in
Zweifel sein konnten, daß ihnen noch ein Avisbrief von H. u. M. Pohl
zugehen würde und Beklagte, wenn nicht unter den obwaltenden Um-
ständen sogar für wahrscheinlich, doch jedenfalls für möglich halten
mußten, daß der Avisbrief die Ordre, die Güter weiter zu senden,
oder doch sonst eine mit der Ausübung einer Retention unverein-
bare Ordre enthalten würde, in Rücksicht hierauf aber Beklagte im
vorliegenden Fall nicht besser gestellt sein können, als wäre die An-
lage 1 zugleich mit der Maare bei ihnen eingetroffen;

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