Full text: Volume (Bd. 14 (1868))

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Bezirk des O.-A,-Gerichts zu Lübeck. Art. 61.

freier Station engagirt worden, die gesetzliche 6 wöchentliche Kün-
digungsfrist sei bei Abschluß des Contracts noch ausdrücklich beredet,
nichtsdestoweniger habe Beklagter, nachdem er am 3. Septbr. gekün-
digt, ihn am 21. Septbr. entlassen, ohne daß Kläger dazu irgend
Veranlassung gegeben. Kläger fordert demnach Salär bis ult.
Decbr. 1867 und Ersatz für die entgangene freie Station und Logis
ä 1 # 8 s. pro Tag vom 21. Sept. bis 31. Decbr.
Beklagter entgegnet, er habe den Kläger durchaus nicht fest,
sondern nur auf Probe engagirt, indem er demselben nur gesagt habe,
daß wenn er ihn passend finden werde für sein Geschäft, er ihn zum
1. Novbr. fest eugägiren werde; da er ihn nun nicht geeignet gefun-
den, so habe er ihn am 3. Septbr. auf den 20. Septbr., wo dann
gerade 2 Monate abgelaufen, gekündigt. Veranlassung für ihn sei
auch mit gewesen, daß der Kläger Havanna-Cigarren für seinen eige-
nen Bedarf sich genommen habe.
Kläger stellt die behauptete Beredung, daß er nur zum Versuch
engagirt sei, in Abrede und widerspricht der Behauptung, daß er
Havanna-Cigarren genommen und daß solche bei ihm gefunden. Das
diese Behauptung unwahr, ergebe das vom Beklagten ausgestellte
Attest, Anl. 1, in welchem er dem Kläger bescheinige, daß er ehrlich
bei ihm gedient habe.
Die erste Kammer des Handelsgerichts erkennt am 17. Octbr.
1867:
Da die Angaben des Beklagten nicht dahin aufzufassen sind,
daß gar kein Contract zwischen ihm und dem Kläger abgeschlossen wor-
den, so daß also der letztere jeder Zeit ohne Weiteres seine Thätigkeit
in dem Geschäft des Beklagten hätte einstellen dürfen, der bezüglichen
Behauptung des Beklagten vielmehr nur der Sinn beigelegt werden
kann, das Kläger damit einverstanden war, daß Beklagter ihn bis
zum 1. Novbr. jeder Zeit ohne vorherige Kündigung entlassen könne,
der Beweis dieser Behauptung aber dem Beklagten aufznerlegen ist;
da aber auch der Beweis der von dem Beklagten behaupteten
Unredlichkeit des Klägers dem ersteren annoch nachzulassen ist, indem
das replicando beigebrachte, von dem Beklagten dem Kläger aus-
gestellte Zeugniß, nur den Werth eines außergerichtlichen Geständ-
nisses hat und um so gewisser keinen vollständigen Gegenbeweis liefert,
als zu vermuthen steht, daß Beklagter, wenn er gewußt hätte, daß

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