Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Königreich Sachsen.

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Person der Gesellschafter getrenntes Rechtssubject aufgesaßt werden
könne, vielmehr die das Gesellschaftsvermögen bildenden Activen
als jedem einzelnen Gesellschafter pro rata znstehend und insoweit
als Bestandtheil seines Vermögens anznsehen seien, woraus man
die Consequenz zog, daß im Falle der Insolvenz zwischen Handlungs-
und Privatgläubigern ein Unterschied nicht zu machen sei, namentlich
bevorzugte Privatgläubiger chre Befriedigung ebensowohl aus den
(antheiligen) Handlungsactiven, als aus dem sonstigen Vermögen
des ihnen verhafteten Gläubigers zu verlangen berechtigt seien.
Diese Auffassung hatte indessen schon vor Publikation des H.-G.-B.
insofern eine sehr erhebliche Modification erfahren, als die Ansicht
zur Geltung gelangte, daß, wenn von mehreren Handelsgesellschaf-
tern nur einer in Concurs verfallen, dessen Gläubiger nicht den
Bruttoantheil an den Activen der Handlung, sondern nur dasjenige
in Anspruch zu nehmen hätten, was nach Deckung der Handlungs-
passiven für ihren Schuldner antheilig übrig blieb.
Vergl. Annalen des k. sächs. Ober-Appell.-Ger., Bd. III,
' S. 72 flg.
Es kann gegenwärtig dahingestellt bleiben, ob nicht schon die
dieser Ansicht zum Grunde liegende Rechtsanschauung zu der Con-
sequenz hätte führen müssen, daß auch bei vorhandener Insolvenz
sämmtlicher Gesellschafter eine besondere Regulirung des Ge-
sellschaftsvermögens Platz zu ergreifen habe und daher zu den ein-
zelnen Concursen der Gesellschafter nur der etwaige Nettobetrag
des Antheils an jenem Vermögen hinzuzuziehen sei, indem nament-
lich, wenn die nur dem einen Gesellschafter gegenüber privilegirten
Gläubiger den Bruttoantheil vom Gesellschaftsvermögen in An-
spruch nehmen durften, hierin ebenso, wie in dem Falle der In-
solvenz eines einzelnen Gesellschafters, eine indirecte Benachtheili-
gung der übrigen Gesellschafter und deren Gläubiger gefunden
werden konnte, insofern die übrigen Theilhaber doch immer den
leer ausgehenden Handlungsgläubigern verhaftet blieben und diese
Haftpflicht unter Umständen eine größere war, als sie bei separater
Abwickelung des Concurses der Handlung selbst getroffen haben
würde. Daß nämlich nach den Vorschriften des H.-G.-B. eine
solche separate Abwickelung stattzusinden hat, daß die Gläubiger der
Gesellschaft aus deren Vermögen ausschließlich zu befriedigen sind,
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. VIII. 4

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