Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

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Abhandlungen.

Fällen, wo er ohne vorgängige Preisverabredung kauft, dennoch
einen Preis zu zahlen hat, aber nicht einen willkürlichen, ganz nach
dem Belieben des Verkäufers zu greifenden, sondern den sachgemäßen,
üblichen, werthentsprechenden. Nichts lag näher, als daß dieses
überall im Volksbewußtsein anerkannte Verhältniß auch im Rechts-
und processualischen Verfahren zum Ausdruck gelangte, und daß es
bei gar vielen Gerichten zur ständigen Formel wurde von Seiten
der Anwälte, den Kaufpreis für den Verkäufer nicht nur als verein-
barten, sondern zugleich aus dem Grunde, weil derselbe sachgemäß,
üblich, werthentsprechend sei, gerichtlich einzuklagen.
Will man aber nicht in dem Umfange, wie wir es thun, aner-
kennen, daß ein Kaufvertrag ohne ausdrückliche Vereinbarung über
einen bestimmten Preis zwischen den Contrahenten perfect werden
könne, so steht dieß doch der Klage, welche den Kaufpreis, sei es als
vereinbart, sei es als sachgemäß und üblich einfordert, nicht im Wege.
Wir müssen hier bemerken, daß wir bis jetzt das Klaglibell nur nach
der Richtung prüfen, mit welcher oder mit welchen Klagen denn der
Kläger sein Klagobject von dem Beklagten fordert und ob die Klagen,
zu deren Anstellung er, wenn er seinen Zweck erreichen will, genöthigt
ist-, auch in dem Klagvorbringen gefunden werden können und müssen.
Es fragt sich also hier, ob, wenn man eine actio venditi in dem
Falle einer mangelnden Preisabrede für hinfällig erachtet, in dem
alternativen oder eventuellen Vorbringen dann die allein noch zulässige
actio in factum praescriptis verbis auf Zahlung einer Entschä-
digung gefunden werden könnte und müßte. Aber auch diese Frage
müssen wir bejahen. Wir haben schon oben im § 2 auseinander-
gesetzt, daß auch für die actio praescriptis verbis der Kaufpreis
oder besser die Entschädigung arbitrio boni viri, also lediglich wie
solche sachgemäß, üblich, werthentsprechend erscheint, festgesetzt werden
müsse. Der Erfolg beider Klagen ist also ganz derselbe, der Käufer
ist in beiden Fällen ganz auf den gleichen Betrag zu veurtheilen.
Allerdings liegt in dem Falle, wo die actio in factum Platz greift,
ein Kaufvertrag gar nicht vor und kann also der Kläger auch nicht
aus einem solchen klagen. Hier muß aber wohl unterschieden werden
zwischen der lediglich die natürlichen Thatsachen in sich begreifenden
Geschichtserzählung und zwischen der einen Rechtsbegriff bildenden
technischen Bezeichnung „Kauf und Verkauf." Ist es ein allgemein

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