Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

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Abhandlungen.

worden, nicht aber da, wo der Preis in das Ermessen des Verkäufers
gestellt, beziehungsweise nach dem arbitrium boni viri festznstellen
war, in welchem Falle jede rnanitesta iniquitas vermieden werden
mußte, widrigenfalls eine richterliche Ermäßigung einzutreten hatte*).
Hier war selbstverständlich kein Boden für die laesio «noram, das
richterliche Ermäßigungsrecht ließ es zu der Anwendung der Bestim-
mungen über laesio enorarn behufs Rescission des Kaufvertrags gar
nicht kommen.
§3.
Erst nachdem wir dieß vorausgeschickt, können wir der Beant-
wortung der Frage, die wir uns gestellt haben, etwas näher rücken.
Denn die Frage selbst ist eine rein processualische, die aber, wenn
sie richtig beantwortet sein will, von mehreren ganz verschiedenen
Gesichtspunkten aus beleuchtet werden muß, nämlich:
1) von dem Gesichtspunkte der Cumulation verschiedener Klag-
gründe ;
2) von dem der Cumulation verschiedener Klagen und endlich
Z) von der Wirkung des sog. qualificirten Geständnisses im Falle
sub 1 und im Falle 8ub 2.
Es ist hierbei namentlich in's Auge zu fassen, ob nur mit der
actio venditi oder neben dieser auch mit einer actio in Laetum die
verlangte Summe eingefordert wird. Anscheinend weist zwar eine
Klage, in welcher geradezu behauptet wird, daß ein näher bezeichneter
Gegenstand dem Beklagten verkauft worden sei, dieser aber den
Kaufpreis zu zahlen sich weigere und darum dieser Kaufpreis in der
angegebenen Summe als vereinbarter oder (wie es bei den be-
treffenden Klagen in praxi gewöhnlich heißt, „eventuell") als sach-
gemäßer, üblicher, werthentsprechender oder dgl. klagend verlangt
werde, lediglich die Kennzeichen der actio venditi auf. Es wird
mit dürren Worten behauptet, daß ein Verkauf zu Stande ge-
kommen sei und nur der Umstand im Unklaren gelassen, ob der
Kaufpreis, welcher von dem Käufer verlangt wird, auf ausdrücklicher
oder stillschweigender Vereinbarung beruhe, oder besser gesagt, der
Verkäufer behauptet, auf den angegebenen Kaufpreis jedenfalls einen
Anspruch zu haben, sei es nun, daß solcher expressis verbis zwischen
*) L. 2 u. 8. C. de resc. vend. 4, 44; Vangerow a. a. £).; Arndts,
Pand., S. 483, Anm. 3; meine Abhandlung im Centralorgan a. a. £>., S. 180.

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