Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

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Abhandlungen.

demjenigen, welcher geliefert hat, zu beanspruchenden Preises nicht
den geringsten Einfluß haben, da auch in diesem Falle der Preis nach
dem arbitrio boni viri festzustellen wäre*).
Es kann demnach und gerade weil selbst nach den Grundsätzen
des römischen Rechts derjenige, der eine Waare geliefert hat, jeden-
falls auch einen Anspruch auf ein entsprechendes Aequivalent in
Geld hat, auch nichts darauf ankommen, ob, wie Koch a. a. O. S.32
will, nur in dem Falle, daß das Kaufobject in abstracto eine markt-
gängige sei, einen Marktwerth habe, der Kaufvertrag ohne aus-
drückliche Preisvereinbarung perfect werden kann. Bekanntlich bedarf
es in unserem heutigen Proceßverfahren (§ 34 des I. R. A.) gar
nicht mehr der technischen Bezeichnung der erhobenen Klage, es
genügt vielmehr die Erzählung des thatsächlichen Hergangs und die
Hervorhebung des historischen Klaggrundes, an welchen sich sofort
die Klagbitte anschließen kann. Es mag nun aber der Gegenstand,
welcher übergeben worden ist, einen Marktpreis haben oder nicht,
sobald aus den Umständen erhellt, daß die Ueberlassung keine unent-
geltliche sein sollte, so ist auch derjenige, welcher denselben an sich
genommen, ein entsprechendes, nach dem arbitrio boni viri zu be-
stimmendes Aequivalent in Geld, was im Resultat mit Zahlung
des Kaufpreises auf dasselbe hinauskommt, zu leisten verpflichtet.
Es steht freilich nicht zu bestreiten, daß in der Regel nur markt-
gängige, ziemlich allgemein überall für denselben Preis zu kaufende
Waaren ohne irgend welche Preisvereinbarung bezogen zu werden
pflegen. Eine andere Frage aber ist, ob derjenige, welcher irgend
einen Gegenstand, der keinen Marktpreis hat, in der Absicht zu ver-
kaufen verabfolgt oder auch derjenige, welcher einen solchen Gegen-
stand in der Absicht zu kaufen an sich genommen hat, berechtigt sein
kann, sich auf den Umstand der mangelnden Preisabrede zu berufen
und den beabsichtigten Kauf und Verkauf als nicht perfect geworden
hinzustellen. Uns erscheint ein solches Verfahren geradezu als äolus,
der von dem Richter nicht geschützt werden darf. Sowohl der Ver-
käufer als der Käufer müssen sich in einem solchen Falle bewußt sein,
ersterer, daß er einen Preis verlangen darf und der letztere, daß
er einen solchen zu zahlen hat. Aber ebensowenig werden beide auch

*) Vangerow, Leitfaden, III, S.407.

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