Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Kann die Klage auf Zahlung des Kaufpreises für gelieferte Maaren rc. 475
nach Maßgabe der erbrachten Beweise und Gegenbeweise von dem
Richter zu ermäßigen ist. Dieß heißt doch mit anderen Worten nichts
anderes, als der Preis ist dem arbitrium boni viri unterworfen;*)
der Verkäufer mag nämlich allerdings den Preis bestimmen, über-
schreitet er aber hierbei die Gränzen des im Handel Ueblichen und
Gewöhnlichen, so kann der Käufer verlangen, daß der Richter den
Preis auf das Uebliche nnd Gewöhnliche ermäßige. Den Preis aber,
welchen der Verkäufer zu fordern berechtigt ist, den „werthent-
sprechenden" zu nennen, dieß kann nicht dem geringsten Bedenken
unterliegen. Auch mit „werthentsprechender Preis" kann vernünf-
tiger Weise kein anderer gemeint sein, als ein solcher, welcher sich
innerhalb derjenigen Grenzen von Preisen bewegt, welche im Handel
für Gegenstände der fraglichen Art zu der Zeit des Kaufabschlusses
bezahlt zu werden pstegen. Dieser Preis ist freilich keiner, welcher
dem absoluten Werth des Kaufobjects entspricht, denn solche dem
absoluten Werth entsprechende Preise kennt der Handel in der Regel
nicht, dieselben kommen vielmehr nur in seltenen Ausnahmssällen zur
Anwendung, wohl aber entspricht er dem relativen, insbesondere
dem Verkaufswerth des Kaufobjects. Beim Kauf und Verkauf
aber den nach dem Verkaufswerth von dem Verkäufer festgestellten,
beziehungsweise festzustellenden Preis auch als einen werthent-
sprechenden zu bezeichnen und als werthentsprechenden mit gericht-
licher Klage einzusordern, kann nicht den geringsten Bedenken unter-
liegen, da in der Behauptung, daß der geforderte Preis der werth-
entsprechende sei, selbstverständlich auch die Behauptung liegt, daß
der geforderte Preis der gemäß stillschweigender Vereinbarung nach
dem arbitrio boni viri festgesetzte sei.**)
Aber wollte man selbst annehmen, daß da, wo es an einer be-
stimmten Preisvereinbarung fehlt, der Kaufvertrag gar nicht perfect
geworden sei, sondern nur ein Innominatcontract vorliegt, in Folge
dessen nicht mit der actio venditi, sondern nur mit einer actio prae-
scriptis verbis zufolge des Grundsatzes do ut des der, welcher
die Waare geliefert, ein entsprechendes Aequivalent in Geld zu for-
dern berechtigt sein würde, so würde dieß auf die Größe des von

*) v. Holz schuh er, Handbuch (2. Aufl.), III, S. 656.
**) Seuffert, Archiv II, Nr.284.

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