Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Der Commissionär als SelLstkäufer oder Selbstverkäufer rc. 467
Waaren, Wechseln und Werthpapieren, welche einen Börsen-
preis oder Marktpreis haben, wenn der Auftraggeber nicht
ein Anderes bestimmt hat, das Gut, welches er einkaufen
soll, selbst als Verkäufer zu liefern, oder das Gut, welches
er zu verkaufen beauftragt ist, als Käufer für sich zu be-
halten.
Von dieser Befugniß muß aber der Commissionär Gebrauch
machen, sobald ihm der Auftrag gemacht ist. Thut er dieß nicht,
zeigt er also dem Auftraggeber nicht an, daß er selbst als Käufer oder
Verkäufer eintreten wolle, benachrichtigt der Commissionär vielmehr
den Committenten, daß er den Auftrag durch Bewirkung des Ankaufs
oder Verkaufs ausgerichtet habe, so hat er damit von dem ihm zu-
stehenden Wahlrecht Gebrauch gemacht. Der Commissionär würde
mit sich selbst in Widerspruch treten, wenn er nach der Anzeige, daß
er den Auftrag ausgerichtet, also die Waare an einen anderen ver-
kauft, oder von einem anderen eingekauft, selbst als Käufer oder Ver-
käufer eintreten wollte. Der Commissionär kann nicht einseitig das
Wesen des abgeschlossenen Rechtsgeschäfts ändern.
Daraus folgt, daß der Commissionär, sobald er dem Auftrag-
geber einmal angezeigt hat, daß er die Waare dem Aufträge entspre-
chend verkauft oder angekauft hat, bei Geltendmachung seines An-
spruchs dem Auftraggeber nach Art. 361 vollständige Rechenschaft
geben, ihm also, wenn er es verlangt, Nachweisen muß, daß und wie
er den Auftrag ausgeführt hat.
Will oder kann der Commissionär dieß nicht thun, so ist er im
Processe sachfällig, weil er den Vertrag nicht erfüllt hat.
Ganz unrichtig ist aber der 3. Abs. des Art. 376 in dem zuerst
gedachten Appellationserkenntniß angewendet, wenn er dahin ausge-
legt wird: der Commissionär gehe seines Wahlrechts nur insoweit
verlustig, als der Auftraggeber befugt sei, den Commissionär selbst
als Käufer in Anspruch zu nehmen, wenn der Commissionär nicht zu-
gleich mit der Anzeige über die Ausführung des Auftrags eine andere
Person als Käufer namhaft macht.
Dieser 3. Absatz berührt das dem Commissionär nach dem
1. Absatz zuftehende Wahlrecht in keiner Weise. Er gibt nur, wie
auch die Worte:
Macht der Commissionär nicht zugleich mit der Anzeige über
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