Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Inwieweit sind Differenzgeschäfte klagbar?

457

Ermanglung genügender Dispositionen, wodurch der § 11 der ge-
druckten Bedingungen jedenfalls wesentlich modificirt wurde, die
Unterstellung, daß beiderseits ein bloßes Differenzgeschäft beab-
sichtigt wurde, nicht ferne liegt.
2) Die Erklärung des von beiden Theilen angerufenen Beige-
ladenen Kaufmann Sperling (nach eigener Angabe Sperling's
Beauftragten des Beklagten), ging auch dahin, daß zwar vor und
bei dem Abschluß der fraglichen Geschäfte nicht ausdrücklich verab-
redet worden sei, es sollten bloße Differenzgeschäfte abgeschlossen
und die Waaren niemals wirklich geliefert werden, daß er aber
überzeugt sei, daß der Beklagte nur solche Geschäfte im Auge gehabt
habe, wie denn auch seines Wissens schon früher Geschäfte der Art
zwischen beiden Theilen abgeschlossen worden seien, wobei ebenfalls
nur die Differenz bezahlt worden sei.
3) Mit dieser Auffassung stehen die vorgelegten und anerkannten
Briefe des Klägers an den Beklagten und Sperling's an den Kläger
im Einklang und es erscheint der Inhalt derselben von vorzüglicher Be-
deutung für die Würdigung der zu Grunde liegenden Rechtsgeschäfte.
In dem Briefe des Klägers vom 21. Febr. 1862 (BeilageE...)
stellte der Kläger dem Beklagten anheim, ob er jetzt schon zur Regu-
lirung des Märzwaizens schreiten wolle, oder vorziehe, den Effect
der Kündigung (d. h. nach § 11 der Schlußscheine der Ueberweisung
der Maare zur Empfangnahme) abzuwarten.
In dem Briefe Sperling's vom 1. März 1862 (Beilage F...)
bat dieser Namens des Beklagten, die Kündigung soviel als möglich
hinauszuschieben und ihm einen Prolongationsvorschlag zu machen.
In einem weiteren Briefe des Klägers vom 2. März 1862
(Beilage J...) erklärte aber der Kläger, er könne eine Prolongation
des Waizens vom März nur in dem Sinne verstehen, daß Beklagter
seinen Waizen pro März verkaufe und dagegen einen neuen Ankauf
pro Mai mache.
Endlich bemerkte Sperling im Briefe vom 4. März 1862 (Bei-
lage K...) geradezu, der Beklagte habe erklärt, er sei nicht im
Stande die Differenz zu bezahlen.
Wenn die Berechnung einer Differenz auch sonst bei kauf-
männischen Geschäften Vorkommen kann, z. B. im Falle desH.-G.-B.
Art. 357, Abs. 3, ohne daß deßhalb ein reines Differenzgeschäst zu

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer