Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Königreich Sachsen.

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gegründet worden ist. Der Einwand des Beklagten Blt.—, daß der
Aussteller des Zeugnisses den gleichen Weg eingeschlagen habe, wel-
cher auch bei der Ausstellung der amtlichen Courszettel befolgt werde,
ist nicht erheblich. Allerdings wird anzunehmen sein, daß die letztere
aus Grund der von den verpflichteten Mäklern und Sensalen erstat-
teten Anzeigen ausgeworfen werde.
Vgl. Th öl, Handelsrecht, § 64, ed. IV.
Ein Verfahren dieser Art ist in § 42 der Leipziger Mäkler-
ordnung ausdrücklich vorgezeichnet und soll nach Blt.— auch an der
Berliner Börse stattfinden. Einerseits ist aber zu berücksichtigen,
daß die Feststellung eines amtlich und unter öffentlicher Autorität
notirten Courspreises auf den Angaben sämmtlicher Mäkler über die
von ihnen oder unter ihrer Mitwirkung abgeschlossenen Kaufsgeschäfte
beruht, während der Aussteller des Zeugnisses H. sich nur auf die
durch ihn gesammelten Coursnotizen bezieht, seinen Ansspruch also
allein und auf Grund thatsächlicher Umstände abgibt, von denen sich
nicht ersehen läßt, inwieweit sie erschöpfender Art und von dem Sach-
verständigen selbst in zuverlässiger Weise wahrgenommen worden
sind. Andererseits ist es bei jener amtlichen Coursnotirung die
öffentliche Autorität, welche zugleich die Präsumtion für die Richtig-
keit der Notirungen begründet, so daß es au sich und abgesehen von
der Möglichkeit eines Gegenbeweises nur der Constatirung der notir-
ten Börsenpreise bedarf. Von dieser müssen die bei der betreffenden
Börse in Pflicht stehenden Mäkler ofsicielle Kenntniß haben, weil sie
unter ihrer wesentlichen eigenen Mitwirkung ermittelt werden, und
deßhalb erscheint ein hierüber von ihnen ausgestelltes Zeugniß als
vollkonunen glaubwürdig. Auch der fernere Einwand des Beklagten
Blt.—, daß die Frage, ob der Experte seinen Ausspruch gehörig be-
gründet habe, der Cognition des Richters entzogen sei, weil diese
Prüfung eine besondere Fachkenntniß erfordere, ist in dieser Allgemein-
heit nicht anzuerkennen. Der Beweis durch Sachverständige beruht
allerdings auf dem Grundgedanken, daß der Richter, als solcher, die
Fachkenntnisse und Erfahrungen nicht besitzt, welche im gegebenen
Falle zur richtigen Beurtheilung gewisser Gegenstände, Thatsachen
oder Verhältnisse nothwendig sind. Ist aber auch der erkennende
Richter nicht befugt, darüber zu entscheiden, ob der Experte die ihm
vorgelegten Fragen nach richtigen Grundsätzen seiner Kunst oder

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