Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Haftbarkeit des Banquiers für Abgabe von Werthpapieren. 417
zeitig, nämlich spätestens in dem oben bezeichneten Zeitpunkte, dem
Kläger als den diesem haftbaren Verkäufer dargestellt habe, ver-
mochte das beklagte Haus nick t zu behaupten, wie denn nicht einmal
die nach Einstellung der Zinsenzahlung erwachsene Correspondenz den
Kläger an einen dritten Verkäufer verweist.
Erscheint das beklagte Haus schon nach dem Obigen als verant-
wortlich, so bedarf es des klägerischer Seite weiter aus L.-R.,
S. 1992*) abgeleiteten Grundes der Haftbarkeit nicht mehr.
Erwägt man indessen, daß dieß Haus eine Belohnung für die
fragliche Geschäftsbesorgung empfing, und schon deßhalb nach Abs. 2,
jener Gesetzesstelle einer strengeren Beurtheilung unterworfen wer-
den muß; daß dasselbe als Bankhaus für sachverständig erachtet und
Hierwegen bei ihm eine besondere Keuntniß und Gewandtheit in An-
gelegenheiten der fraglichen Art vorausgesetzt werden muß;
daß es durch die in seinem öffentlichen Angebote von amerikani-
schen Eisenbahnpapieren enthaltene Erklärung die Erwartung einer
den Käufer sichernden, genauen Kenntniß aller einschlägigen Verhält-
nisse erweckte;
daß endlich gerade bei amerikanischen Papieren, deren Würdigung
nicht selten besonderen Schwierigkeiten unterliegt, und vermittelst
deren erfahrungsgemäß schon mannichfache Täuschungen verübt wur-
den, eine besondere Vorsicht des geschäftskundigen Bankiers geboten
war, und mit vollem Rechte von dem Käufer unterstellt werden
durfte; —
so sprechen überwiegende Gründe dafür, daß der Beklagte auch
nach L.-R., S. 1992 als haftbar erscheint.
Aus der Annahme der Werthpapiere durch Kläger kann nichts
gegen die Haftbarkeit des Beklagten abgeleitet werden, da die Gesetze,
aus welchen man die schlechthin bindende Kraft der Annahme folgern
will,
(L.-R., S. 1108 ff.; 1648, L.-R. A., S. 92 ff.)
im vorliegenden Falle keine Anwendung finden. Sie setzen nämlich
*) L.-R., S. 1992 lautet:
Er (der Gewalthaber) haftet für Gefährde und Versehen seiner Geschäfts-
führung. Bon dem, der feinen Auftrag unentgeltlich verrichtet, fordert man eine
weniger strenge Rechenschaft über bloßes Versehen, als von dem, der Belohnung
erhält. D. E.
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. VIII.

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