Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 8 (1866))

412

Abhandlungen.

sich mit der Prüfung in dieser Beziehung belastet; ist dieselbe er-
folgt, so ist damit der Beweis geführt, daß in dem Werthe des vollen-
deten betriebsfähigen Ganzen die statutenmäßig gezahlten s. g. Zinsen
enthalten sind. Hierauf nehnre ich an, daß in der Anwendung des
Art. 217, Abs. 2 des H.-G.-B keine Verringerung oder theilweise
Rückzahlung des Stammkapitals ausnahmsweise für statthaft erklärt
und zugelassen ist, daß vielmehr die gezahlten s. g. Zinsen einer Divi-
dende gleich stehen, und deshalb nicht bei einer künftigen Dividenden-
Vertheilung in Abzug gebracht werden dürfen.
Allerdings kann sich bei Bemessung des Zeitraums ein Rechnen-
fehler einschleichen und das Gründungskomite wird geneigt sein,
einen solchen einzuführen, um die Zeichnung des Aktienkapitals zu
erleichtern; es kann diese Möglichkeit in dem Grundsatz aber nichts
ändern; vielmehr hat die Staatsbehörde bei Prüfung des Statuts
deshalb diesen Punkt mit besonderer Vorsicht ins Auge zu fassen.
Bemerkenswerth ist hierbei, daß der Art. 197 des H.-G.-B.,
welcher für die Kommanditgesellschaften auf Aktien den Art. 217,
Abs. 1 wörtlich wiedergibt, den Absatz 2 nicht enthält, und war so-
mit ein aus jener Bestimmung herzuleitendes Bedenken, auch für die
Gründung der Kommanditgesellschaften aus Aktien die staatliche Ge-
nehmigung aufrecht zu erhalten, nicht möglich, was mit Bezug auf
diejenigen Staaten in denen die Bildung der Kommanditgesellschaften
auf Aktien freigegeben ist, hervorgehoben sein mag.
Theoretisch stellt sich die wettere Frage, ob die sogenannten
Generalkosten von Vorbereitung des Unternehmens
bis zum Anfänge des vollen Betriebes als Aktivum
angesetzt werden dürfen, oder abzuschreiben sind ein-
fach; dieselbe ist dahin zu beantworten:
Ist durch derartige Verwendungen für die Gesellschaft ein blei-
bender Werth erzielt, so steckt derselbe in dem hergerichteten Ganzen;
ist derselbe ein sich nach und nach abnutzender, so ist er im Amortisa-
tionskonto mit zu berücksichtigen; sind die Unkosten unnütz gewesen, die
Ausgaben keine Verwendung, sondern eine unproduktive Konsumtion,
ein Verlust, so sind sie abzuschreiben als Kapitalsminderung. In dem
letzteren Falle kann also eine Dividendenvertheilung nicht früher er-
folgen, bis der so erlittene Kapitalsverlust wiederum ergänzt ist, weil
vorher von einem reinen Gewinn nicht die Rede sein kann.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer