Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

338 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten

behauptet hat, daß zur Zeit der Lieferungstage der Preis des frag-
lichen Waizens höher gestanden als der Kaufpreis, so mangelt es
auch nicht an einer zur Beweisauflage geeigneten Behauptung. Es
mußte aber angemessen erscheinen, die Beweisauflage auf den nicht
wohl davon trennbaren Umstand, um wieviel höher der Markt-
preis zu jener Zeit gestanden habe, sofort mitzuerstrecken, und inso-
fern das Liquidationsverfahren über den Umfang des Schadens gleich
mit dem Beweisversahren zu verbinden.
22.
Zu Art. 361.
a) Negotiorum gestio. 6) Eidliche Bestärkung der Er-
gebnisse einer Geschäftsführung statt förmlichen
Beweises.
Aus dem Erkenntnisse des Oberappellationsgerichtes zu Lübeck
vom 28. Febr. 1865 in Sachen E. P. Schütt zu Hamburg, Klägers,
wider H. Bohres & Co. das., Beklagte, Rechnungsablage und Forde-
rung betr., sind folgende Rechtssätze hier zu bemerken:
all a. Ein negotiorum gestor haftet gleich dem Mandatar der
Regel nach für omnis culpa, wovon es eine nothwendige Folge ist,
daß er einen aus dem geführten Geschäft sich ergebenden Verlust zu
ersetzen hat, wenn er nicht nachzuweisen vermag, daß die Anwendung
des höchsten Fleißes nicht geeignet war, den Verlust zu vermeiden.
Nun gilt freilich eine Ausnahme hiervon, wenn sich Jemand ohne
Auftrag einer Sache angenommen hat, welche ohne seine Thätigkeit
für den Geschäftsherrn verloren gewesen wäre, indem dann der ne-
gotiorum gestor nur für dolus und culpa lata einzustehen,
1. 3, § 9. D. 3. 5.
und folgeweise der auf Ersatz klagende Geschäftsherr eine Verschul-
dung dieser Art zu beweisen hat. Es muß aber die gesammte aus
den Acten erkennbare Sachlage ergeben, daß die besondere Voraus-
setzung der gesetzlichen Ausnahme vorliege.
ad b. Allerdings ist eine handelsrechtliche Praxis, wonach ein
durch specielle Instructionen nicht beschränkter Commissionär, wenn
über seine schließliche Rechenschaft Streit entsteht, nicht unbedingt
zu förmlichem Beweise über die sorgfältige Vollziehung des Auftrags
genöthigt wird, sondern zur eignen Beeidigung seiner Angaben zu-

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