Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

284 Handelsr Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

ihn beauftragt, für seine, des Beklagten, Rechnung 50 Mispel Roggen
per Frühjahr in Berlin zu kaufen, jedoch nicht höher als 481/2 Thlr.
per Mispel. Diesen Auftrag habe er vollzogen und den Beklagten
davon benachrichtigt. Am 1. April habe nun Beklagter den Roggen
nicht bezogen und er deßhalb denselben zum Tagescours wieder ver-
kauft, wodurch sich eine Differenz von 706 Thlr. ergeben, für welche
ihm Beklagter aufzukommen habe.
Den einen der dem Kläger auferlegten Beweissätze, nämlich:
„daß Kläger in Folge der von dem Beklagten erhaltenen
- Einkaufs-Commission für dessen Rechnung am 10. Sept.
1857 am Berliner Fruchtmarkt 50 Mispel Roggen zu
475/8 Thlr. den Mispel per Frühjahr 1858 gekauft habe"
erbot sich Kläger unter Anderen durch Vorlage und Beschwörung
seines Roggen- Ein- und Verkaufsbuchs zu erbringen.
Der Beklagte bestritt die Zulässigkeit -dieses Beweismittels, da
das fragliche Buch für sich allein keine vollständige und ordnungs-
mäßige Buchführung repräsentire, vielmehr dasselbe sich zufolge des
bereits zu den Acten gebrachten Auszugs nur als ein Notizbuch dar-
stelle, welches für sich allein keinen Glauben beanspruchen könne. Da
der Kläger selbst nicht behaupte, über den behaupteten Einkauf weitere
kaufmännische Buchführung zu besitzen, so erscheine die angebotene
Buchproduction werthlos. Gegenbeweislich bezog sich Beklagter da-
für, daß Kläger keine ordnungsmäßige, vollständige Buchführung
über die Geschäftsbeziehung zu dem Beklagten besitze, auf die Bücher
des Klägers und beantragtragte Vorlage der sämmtlichen kläge-
rischen Handlungsbücher.
Das Stadtgericht in Frankfurt ließ jedoch durch Erkenntniß
vom 21. August 1865 den Kläger mit der Vorlage seines Roggen-
Ein- und Verkaufsbuchs, welches Buch als die Grundlage aller
weiteren darauf bezüglichen Einträge erscheine, als Beweismittel zu.
Was den Antrag des Beklagten hingegen betreffe, so wurde zwar
anerkannt, daß der Beklagte berechtigt sei, zum Zwecke der Beur-
theilung der Vollständigkeit und Ordnungsmäßigkeit der Buchfüh-
rung des Klägers, die Vorlage noch weiterer Bücher, wie etwa des
Journals und Hauptbuchs, zu verlangen, das Ansinnen, daß der Kläger
seine sämmtlichen Handelsbücher ohne Unterschied vorlegen müsse,
jedoch.für den vorliegenden Fall viel zu weit gehe und der Beklagte

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