Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

250 Handelsr. Entscheidungen aus verschiedenen deutsch. Staaten.

und der Herausnahme aus dem Ofen einmal in der Weise beschädigt,
wie dieß beide Parteien, wenngleich unter Angabe verschiedener
Gründe dafür, anerkennen, so war sie als Retorte schon damals
vernichtet, und hatte als solche keinen Werth mehr, sondern nur noch
als altes umzugießendes Eisen, und für dieses war es gleichgültig,
ob hinterher noch einige Stücke davon abgeschlagen wurden oder
nicht. Es bedarf deßhalb eines Beweises darüber, daß der eine
Mitinhaber der klagenden Handlung dieß ausdrücklich anerkannt
habe, nicht weiter, es ist vielmehr auch dieser Einwand der Klägerin
zu verwerfen.
Wenn dann ferner die Klägerin der erhobenen Einrede den
Vorwurf der Allgemeinheit und mangelnden Substantiirung macht,
so ist nicht wohl abzusehen, wodurch dieser Vorwurf gerechtfertigt
wäre. Es ist völlig verständlich und zur Intention des Beklagten
genügend, wenn dieser behauptet, daß sich in-Folge mangelhaften
Gusses im Boden der Retorte Sandlöcher befunden. Denn es leidet
keinen. Zweifel, daß eine solche Beschaffenheit der Retorte eine
mangelhafte ist, und zwar in solchem Maße, daß die Retorte für die
der Klägerin nicht unbekannten Zwecke des Beklagten, Bereitung
von Chemikalien, dadurch völlig unbrauchbar wurde, und ebenso ist
es nach der Behauptung des Beklagten ohne Weiteres klar, daß der
gerügte Fehler der Retorte, wenn überhaupt, so schon bei deren
Lieferung vorhanden sein mußte. Selbstverständlich hat Beklagter
den Beweis seiner von der Klägerin bestrittenen Behauptung zu
führen, allein es steht auch nichts im Wege, ihm diesen Beweis
nachzulassen.
Beide Parteien haben nun zur Unterstützung ihrer Behaup-
tungen— einerseits, daß die Beschädigung der Retorte aus dem
fehlerhaften Gusse erwachsen, andrerseits, daß dieß nicht möglich sei,
daß vielmehr die übermäßige Heizung der Retorte die Schuld trage —
vielfache Ausführungen geliefert und Thatsachen vorgebracht, auf
welche jedoch hier nicht eingegangen werden kann, weil ihre Wür-
digung eine ganz specielle Sachkenntniß erfordert. Es kann vielmehr
dem Beklagten nur generell der Beweis seiner Behauptung auferlegt,
und ebenso der Klägerin Gegenbeweis nachgelassen werden, und muß
es dem Urtheile der Sachverständigen anheimgestellt bleiben, ob
etwa noch die eine oder andere der hinc inde vorgetragenen That-

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