Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Herzogthum Braunschweig.

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und beruhet es deßhalb durchaus in der Natur des Verhältnisses,
daß nur die persönliche Leistung des contractlich Verpflichteten ange-
nommen zu werden braucht, daß insbesondere dem Besteller die Ar-
beiten anderer Personen, welche er für Herstellung des Werkes nicht
auswählte, nicht aufgedrängt werden können.
L. 21, I). de solutionibus (46. 3).
Wächter's Verlagsrecht, § 29.
Dieser Grundsatz muß als Regel auch für diejenigen Ver-
lagsverträge gelten, durch welche sich der Schriftsteller nicht sowohl
zur Lieferung eines gänzlich eigenen Geistesproduktes, sondern
nur zur Herstellung der Uebersetzung eines fremden Werkes ver-
pflichtet hat.
Es darf hier dahingestellt bleiben, ob auch eine gänzlich hand-
werksmäßige Uebersetzungs-Schriftstellerei Vorkommen kann, bei wel-
cher es dem Verleger gleichgültig ist: ob der Uebersetzungs-Ver-
pflichtete die Arbeit in Person oder durch Andere beschafft. Die
Uebersetzung des vorliegenden wissenschaftlichen Werkes ist keinenfalls
eine handwerksmäßige Arbeit, sie erfordert, wie genügend zu über-
sehen ist, eigenthümliche, keineswegs gewöhnliche wissenschaftliche
Sach- und Sprachkenntnisse, die nicht einmal der Kläger, obgleich er
sie sich als Fachmann nach seinen Anerbietungen zutraute, besessen
haben würde, wenn der Beklagten der Beweis gelingen sollte, daß
eine unbrauchbare Uebersetzung geliefert sei. Nach den vorliegenden
Verhandlungen kann außerdem nicht bezweifelt werden, daß es bei
den Verlagsunternehmen in der beiderseitigen Absicht gelegen hat, daß
Kläger als namhaft gemachter Uebersetzer
cf. Wächter, 1. c. S. 255 ff. S. 351,
vor das Publicum treten werde, auch dieser Gesichtspunkt bedingt die
persönliche Herstellung der Arbeit, indem dem genannten Namen be-
greiflicher Weise nicht die Arbeit eines Andern untergeschoben wer-
den kann, und der Verleger offenbar das Recht hat, nur den Namen
des von ihm gewählten Uebersetzers auf dem Titelblatte genannt
zu sehen.
Wird der Behauptung des Klägers gegenüber, daß er der Arbeit
vollkommen gewachsen sei, und daß dieselbe die ihr zugeschriebene
Fehlerhaftigkeit nicht an sich trage, von der Beklagten nachgewiesen,
daß dennoch ein unbrauchbares opus geliefert sei, so ist damit nach

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