Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Herzogthum Braunschweig.

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seine correcte Vertragserfüllung, oder aber: die Genehmigung einer
möglicher Weise unbrauchbaren Arbeit zu sinken sei? so wird man
nach bekannten Auslegungsregeln über Bejahung der ersten und
Verneinung der zweiten Frage nicht zweifelhaft sein können. Auch
eine Prüfung der begleitenden Umstände führt zu keinem anderen
Resultate.
Daß die Verklagte die von ihr gegenwärtig geltend gemachten
Fehler bei Inangriffnahme des Druckes gekannt habe, hat genügen-
dermaßen nicht einmal vorgebracht werden können. Zwar ist die
Annahme geltend zu machen versucht, daß die verklagte Buchhandlung
rücksichtlich der von ihr übernommenen Verlagswerke als sachver-
ständig anzusehen sei, und daß sie deshalb die Vermuthung gelten
lassen müsse, sie habe die angeblichen Fehler nach Empfangnahme des
Manuskripts erkannt. Erwägt man indeß, daß in den Gegenständen
des Buchhandels nahezu die Gesammtheit alles menschlichen Wissens
zur äußern Erscheinung kommt, so verliert die allgemeine Annahme
des Klägers jede Bedeutung, welche auch für den vorliegenden Fall
durchaus nicht zu statuiren ist. Es läßt sich nämlich leicht übersehen,
daß zu einer genügenden Prüfung der in Rede stehenden Uebersetzung
keineswegs gewöhnliche allgemeine Sprachkenntniffe ausreichen, son-
dern daß es hiezu einer nur durch specielles Studium zu erwerbenden,
nicht gewöhnlichen technischen Sach- und Sprachkunde bedarf, daß
auch ein vollständiges Urtheil über die Brauchbarkeit der vorliegen-
den Uebersetzung nur durch ein zeitraubendes und mühseliges genaues
Vergleichen zu erreichen ist, für welche Arbeit, bei Heranziehung
fremder Kräfte, die erforderlichen Persönlichkeiten schwerlich sogleich
und überhaupt leicht zu finden sind.
Die Parteien sind außerdem nach ihren Angaben darüber ein-
verstanden gewesen, daß Kläger die einzelnen abgezogenen corrigirten
Druckbogen seinerseits noch einer Revision zu unterziehen habe. Er-
fahrungsmäßig kommen bei solchen Revisionen häufig noch mehrfache
Einbesserungen vor,
Wächter, das Verlagsrecht, S. 348,
jedenfalls waren sie möglich und stand erst nach dieser Revision der
Text, wie ihn der Kläger geben wollte, fest. Es war bei dieser Sach-
lage durchaus natürlich, daß Verklagte, wenn sie eine Prüfung der
Brauchbarkeit der klägerischen Arbeit vornehmen lassen wollte, hiezu

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