Full text: Volume (Bd. 8 (1866))

Königreich Sachsen.

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selbst bei dessen Uebernahme auf dem Bahnhofe Glauchau dessen
beschädigten Zustand gekannt und den Ballon nur mit Vorbehalt zum
Transport übernommen hätten.
Da nun ein solcher Vorbehalt weder seiten der königlichen
Eisenbahndirection, noch Seiten der Beklagten ausdrücklich gestellt
worden ist, streitet die Vermnthung für die Kläger, daß der Ballon
nicht nur in Chemnitz unbeschädigt übergeben worden, sondern auch
in unversehrtem Zustande in Glauchau angekommen und daselbst von
den Beklagten übernommen worden sei.
Diese Vermnthung wird dadurch verstärkt, daß der Ballon, wie
dieß Beklagte nicht abredig sind, regelrecht verpackt gewesen ist.
Wenn daher die Beklagten hieraus einen Eiuwand gegen die
Rechtbeständigkeit der Forderung der Kläger hätten ableiten wollen,
so würde es denselben ohne Zweifel obgelegen haben, das Gegentheil
zu behaupten und zu bescheinigen.
Sie haben dieß nicht gethan. Es folgt hieraus, daß das Ne-
giren des Klagpunktes unter 1. ohne rechtliche Bedeutung ist.
2. Derselbe Fall liegt rücksichtlich des 2. Klagpunktes vor.
Es liegt auf der Hand, daß durch das Zugeständniß der Be-
klagten unter 3. das Gewicht, welches eventuell der in Abrede gestellte
2. Punkt zu äußern vermöchte, durchaus paralhsirt wird.
Es erübrigt sonach nur, darauf zu verweisen, daß nach Art. 400
des Handelsgesetzbuchs jeder Frachtführer für seine Leute und für
andere Personen, deren er sich bei Ausführung des von ihm über-
nommenen Transportes bedient, zu haften verpflichtet ist.
Zu II.
1. Die Auslegung, welche Kläger den auf dem Frachtbriefe be-
findlichen Worten: „Auf Gefahr der Absender" geben, ist eine durch-
aus richtige und sachgemäße, und man kann den Klägern nur bei-
pflichten, wenn sie diese Worte nicht auf ihr Verhättniß zum
Frachtführer, sondern zum Empfänger der Waare beziehen
und in dieser Richtung gedeutet wissen wollen.
Wenn nämlich Art. 345 1. c. bestimmt, daß nach Uebergabe der
Waare an den Frachtführer die Gefahr auf den Käufer derselben
übergehe, so stellt derselbe eine Norm bezüglich des Rechtsverhält-
nisses zwischen dem Absender und dem Empfänger der zu transporti-

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