Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 12 (1868))

Die Bürgschaft für eine Contocurrentforderung.

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manne und einem Nicht - Kaufmanne bestehenden Geschäftsverkehrs
gegenseitig geschehenen Leistungen, mögen diese nun in gelieferten
Maaren, in geleisteten Zahlungen oder in etwas anderem bestehen,
der Art gebucht, daß auf der linken mit „Soll (Debet)" bezeichneten
Seite alle die dem Geschäftsfreunde gemachten Leistungen
als einzelne Posten der Zeitfolge nach eingetragen werden, und ebenso
auf der rechten mit „Haben (Creäit)" bezeichneten Seite alle von
dem Geschäftsfreunde empfangenen Leistungen. Diese
beiden Seiten zusammen genommen nennt man eine Rechnung oder
nach dem Italienischen ein Conto (Conto) und sagt demgemäß, man
eröffne dem Geschäftsfreunde eine Rechnung oder ein Conto. T)W
Rechnung selbst, insofern sie einen gewissen Zeitraum umfaßt, inner-
halb desselben fortläuft, nennt man eine laufende Rechnung
oder ein Contocorrent oder auch Contocurrent (ital. Conto corrente,
franz. Compte courant, engl. Account current) *). An und für
sich hat, dieß ist von selbst einleuchtend, diese bloße Rechnungs-
methode keinen Einfluß weder auf die gesetzlichen Vorschriften,
durch welche die Frage geregelt wird, auf welche von mehreren Schul-
den eine geleistete Zahlung abgerechnet werden soll. Denn es ist
selbstverständlich, daß lediglich dadurch, daß Gläubiger und Schuld-
ner Forderung und Zahlung nach einem gewissen System in ihre
Bücher eintragen, damit noch nicht (und zwar am allerwenigsten von
beiden Seiten übereinstimmend) die Absicht zu erkennen gegeben
haben, in welcher Weise und nach welchen Grundsätzen die existiren-
den Forderungen als durch die geleisteten Zahlungen getilgt zu be-
trachten sein sollen**). Besondere ausdrückliche Uebereinkommen
können natürlich die Interessenten ganz nach ihrem Belieben tref-
fen, aber ein Gewohnheitsrecht nach irgend einer Richtung hin
dürfte sich hier schwerlich mit Sicherheit Nachweisen lassen, wie denn
auch der Geschäftsverkehr im Maare »Handel wohl kaum die Aus-
bildung eines von dem geschriebenen Gesetze abweichenden Gewohn-
heitsrechts als geboten erscheinen lassen dürste.

*) Röhrich, die laufende Rechnung oder das Contocurrent (Leipzig, Brock-
hauS, 1864), S. 1.
**) Dieß erkennt denn auch an C reizen ach im Archiv f. prakt. R.-W., IV,
S. 46.

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