Full text: Volume (Bd. 12 (1868))

Königreich Preußen. Art. 639. (584. 631. 642'.) 369
26. April das Schiff zur Einnahme der Ladung fertig stellen können,
während er dieß jetzt erst zum 20. Juni ermöglichte. Der Unter-
schied in der Zeit ist daher keineswegs unerheblich. Es fragt sich
indeß, 'wie sich hierzu der erkennbare Zweck des Vertrages verhält.
Daß der Verklagte anderweit Verpflichtungen zur Lieferung von
Roggen in bestimmter Frist eingegangen war, ist weder aus der
Chartepartie noch daraus zu entnehmen, daß eben Roggen zu trans-
portiren war. Dagegen legt der Verklagte mit Recht auf die con-
tractliche Festsetzung Gewicht, daß das Schiff sofort nach Colberg
absegeln sollte. Allerdings war dabei dem Kläger gestattet, einen
Kohlenhafen anzulaufen; in wessen Interesse, kann füglich unerörtert
bleiben, obwohl es einleuchtend zu sein scheint, daß sicherlich der Klä-
ger und wahrscheinlich auch der Verklagte Nutzen davon hatte. Die
Ausführung des Klägers aber, daß wegen des Anlaufens eines Koh-
lenhafens eine schleunige Ankunft in Colberg nicht zu erwarten ge-
wesen, ist nicht zutreffend, sofern er damit der Abrede, daß die Reise
von Schiedam sofort anzutreten war, jede Bedeutung nehmen will.
In der Abreise durfte er sich durch die Erlaubniß, einen Kohlenhafen
anzulaufen, nicht aufhalten lassen, und auch die Weiterreise mußte er
rn.it dem durch die Modification derselben von selbst gegebenen Aufent-
halt unverzüglich fortsetzen. Der Inhalt der Stipulation war also
der, daß die Reise nach dem Kohlenhafen sofort angetreten und nach
Einnahme der Kohlenladung nach Colberg sofort weitergeführt wer-
den sollte. Dem entsprechend konnten die Parteien beurtheilen,
wann die Ankunft in Colberg zu erwarten stand. Indem der Ver-
klagte unter diesen Bedingungen eine Ladung Roggen zusicherte,
drückte er unzweideutig aus, daß er den Transport derselben ohne
weiteren Aufenthalt als den durch die Zwischenladung entstehenden
ausgeführt wissen wollte, und der Kläger hat sich dazu erboten. Der
auf diese Weise erkennbar gemachte Zweck des Transportes — mög-
lichst schleunige Ausführung desselben — ist vollständig dadurch ver-
eitelt, daß das Schiff während fast zwei Monate reparirt werden
mußte. Im Monat Juni war es nicht mehr möglich, die am
24. März bedungene sofortige Zureise nach dem Abladungshafen an-
zutreten, und der Verklagte hat eine ihm zustehende Befugniß aus-
geübt, wenn er seinen Rücktritt von dem Vertrage erklärte.
Daraus folgt, daß der Kläger unter keinen Umständen Faut-
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. XII. 24

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