Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 12 (1868))

Königreich Preußen. Art. 278. 343. 357.436.

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ist offenbar das vorliegende) den Detailmarktpreis zu Grunde zu
legen. Die technischen Mitglieder des Commerzcollegii haben daher
offenbar nicht das Vorhandensein eines Marktpreises der letzteren
Art verneinen wollen, sondern nur das Vorhandensein eines dem
vorliegenden Engrosgeschäfte entsprechenden Markt- und Börsen-
preises. Dieser Auffassung folgt aber auch das vom Verklagten im
Audienztermine eingereichte Schreiben der hiesigen Kaufmannschaft;
denn nach diesem Schreiben werden Kartoffeln gewöhnlich an der
hiesigen Börse nicht gehandelt und haben daher hier keinen Börsen-,
sondern nur einen Marktpreis. Von dem letzteren sagt aber das
Schreiben ausdrücklich, daß er sich nach denjenigen Preisen regulire,
welche auf den verschiedenen Marktplätzen der Stadt, besonders im
kleinen Verkehre mit den Producenten bezahlt werde.
Allein es bedarf nicht einmal des Art. 357, um den Verkauf zu
rechtfertigen; der Kläger war dazu schon nach Art. 343 berechtigt,
da der Verklagte nicht allein mit der Zahlung des Kaufpreises, son-
dern auch mit der Empfangnahrne der Waare in Verzug war. Der
Kläger selbst sucht zwar auszusühren, daß die Uebergabe der ganzen
Ladung vollendet gewesen sei, sobald der Verklagte tatsächlich den
Besitz derselben dadurch ergriff, daß er Hunderte von Scheffeln löschte
und wegfuhr, da nichts ihn hinderte, nach seinem Ermessen die ganze
Ladung wegzunehmen; allein dieß ist nicht richtig. Denn die Besitz-
nahme einzelner Stücke eines Inbegriffs enthält nach § 53,1, 7 a.
L.-R. nur dann die Besitznahme des ganzen Inbegriffs, wenn dabei
die Absicht manifestirt wird, den ganzen Inbegriff in Besitz zu
nehmen. Diese Absicht geht aber aus der Entlöschung von 310
Scheffeln nicht hervor, Verklagter leugnet selbst die Besitznahme des
Ganzen, auch ist ihm, wie feststeht, das Connossement nicht über-
geben*). Es ist daher anzunehmen, daß Verklagter nur die 310
Scheffel übergeben erhalten und empfangen hat, und daß er also mit
Ablauf des ersten Mai's mit der Empfangnahme des Restes im Ver-
züge war. Die Androhung, welche Art. 343 verlangt, ist dadurch
ersetzt, daß dem Verklagten der Antrag des Klägers auf Verkauf am
3. Mai behändigt, er hierüber laut gerichtlicher Verhandlung gehört
*) Diese Feststellung war auch schon sür die zuerst erörterte Anwendung des
Art. 357 erheblich, da auch dieser voraussetzt, daß die Waare noch nicht übergeben
sei (Art. 354).
Archiv für deutsches Handelsrecht. Bd. Xll.

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