Full text: Volume (Bd. 12 (1868))

Die preuß. Gesetzgebung, betr. die Pflichten d. Handelsmäkler. 147
gegen die Toga des ..freien" Mäklers umtauschte, ist ein beredtes
Zeugniß für die Hinfälligkeit und den Unwerth des Mäklermonopols*).
Das Gesetz schien für den „vereideten" Mäkler nur gemacht zu sein,
um umgangen zu werden. Der Mäkler-Ordnung liegen bekanntlich
die §§ 66—84 des Handels-Gesetzes zu Grunde. § 69, Nr. 4 sagt
ausdrücklich: „sie müssen die Mäkler-Verrichtungen persönlich be-
treiben und dürfen sich zur Abschließung eines Geschäfts keines Gehül-
fen bedienen." Die „Erläuterungen" hierzu in Nr. 4 wiederholen:**)
die Mäkler-Functionen müssen persönlich wahrgenommen werden,
nur mechanische Verrichtungen, wie Comptoirarbeiten, können durch
Gehülfen ausgeführt werden." Ferner ist nach der Gewerbe-
Ordnung vom 17. Januar 1846 und dem darauf basirten § 10 der
Mäkler-Ordnung die Stellvertretung eine so überaus delicate und
schwierige, daß sie überhaupt über die Dauer eines Jahres niemals
ausgedehnt, von den Aeltesten in Bezug auf Moral und Befähigung
erst attestirt und dann noch der Regierung zur Sanction vorgelegt
werden muß. Diese Gesetzesstellen verlangen nun ein gewisses De-
corum für das Monopol; nun lassen wir die Thatsachen nachfolgend
reden, wie das Gesetz hier an der Börse befolgt wird. Einer unserer
ersten vereideten Producten-Mäkler glaubt, in bona fide zu handeln
und überträgt seinem minorennen Sohne die Vermittelung von
Termin-Geschäften in Weizen, während er in Roggen verkehrt; die
Abschlüsse, die der Sohn macht, werden anderen Tages von den Con-
trahente» mittelst Schlußzettels des Vaters ausgetragen. Wo ist nun
die Garantie für die Tragweite dieser Uebertragung auf Andere, wenn
dieser Fall von dem vereideten Mäkler heute aus seinen Sohn, morgen
auf drei seiner Neffen, Sippen und darüber ausgedehnt wird. Und
wenn in Streitsachen vom Gericht auf den Eid des vereideten Mak-
*) Von einem „Monopol" der vereideten Mäkler kann man in Preußen
nur sehr uneigeutlich reden, da die Vermittelung von Handelsgeschäften gegen
Entgelt freigegeben ist. und auf diese nicht amtlichen Vermittler, abgesehen von
den Amts-Rechten und -Pflichten. namentlich den Vorschriften vom Urkunden-
beweise. die auf die vereideten Handelsmäkler bezüglichen Vorschriften analog
anzuwenden sind. Vgl. Endemann, H.-R., S. 779. v. Hahn, a. a. O„
S. 199 flg. und meine Abh. über den Mäklervertrag — Deutsche Ger.-Zeitung,
Neue Folge. Bd. II (1867). S. 223 flg. —
**) Bgl. Motive. S. 39; Prot., S. 120; v. Hahn, S. 176; Mako wer,
Comm., S. 59. Note 8.

iy*

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