Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 12 (1868))

5.6. Der preußische Gesetzentwurf, betreffend die Pflichten der Handelsmäkler

VI.
Der preußische Gesetzentwurf, betreffend die Pflichten
der Handelsmäkler.
Bon Herrn Stadtgerichts-Rath R. K o ch in Berlin.

Die wachsende volkswirthschaftliche Kenntniß und Neigung
unserer Tage hat im Allgemeinen dazu beigetragen, den Kreis freier
Einigung und überhaupt freier Bewegung'des Berkehrs auf Kosten
gebieterischer Gesetze zu erweitern*). Eine nachhaltige Sprödigkeit
aber zeigt sich bei dem Institut der Handelsmäkler. Bon den mit-
telalterlichen Sensalen abstammend, deren Zusammenhang mit dem
Beweisrecht sie wesentlich als Urkundspersonen erscheinen läßt, sind
daraus allmählich gewerbliche Vermittler von Handelsgeschäften
geworden**). Daneben ist ihnen indessen ihre Stellung als beson-
ders vertrauungswürdige Zeugen des Abschlusses von Handels-
geschäften verblieben, und gleichzeitig hat der Handelsstand ihre
Waarenkenntniß benutzt, um sich ihres Gutachtens über den Zu-
stand und Preis von Maaren bei mancherlei Streitfällen oder auch
nur bei Besorgniß von Streitigkeiten behufs glaubwürdiger Feststel-
lung zu bedienen***). In dieser Gestalt erscheinen die Handelsmäkler
im Handelsgesetzbuch. Die Bestimmungen desselben zeigen aber die
Spuren eines Kampfes, welcher sich in der Gegenwart fortsetzt. Von
*) Vgl. Novemberheft 1866 von „The Law Magazine and Law Review“
S. 1 flg..' Two obvious results we think have been brought about by the general
tendency which political economy has in our day given to the minds of men.
The first has been to deprive as much as possible all matters conneeted with the
law of the Charakter of non-productive labour; and the second, to extend as
far as may be, the sphere of eontract at the expense of imperative law.
**) Art. 66 d H.-G.-B.: „Die Handelsmäkler (Sensale) sind amtlich be-
stellte Vermittler für Handelsgeschäfte."
***) Laband, Zeitschr. f. deutsches Recht, Bd. 20, S. 1 flg.; Endemann,
H.-R., S. 769 flg.; R. v. Mo hl, die Polizeiwissenschaft, Bd. II (1844), S. 518 flg.

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