Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 12 (1868))

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Abhandlungen.

Deviation stattgefunden, so hebt es die Haftung des Versicherers
nicht wieder auf, wenn das Schiff später auf den richtigen Weg wieder
zurückkehrt. Uebrigens wurde angenommen, daß als eine Deviation,
ihrem Begriffe nach, keine andere Abweichung vom Curse betrachtet
werden könne, als eine freiwillige; es sei dann offenbar ein solche
gar nicht mehr vorhanden, wenn der Wind das Schiff vom richtigen
Wege abgedrängt habe, und eben so wenig wenn der Schiffer, um
den richtigen Weg zu gewinnen, momentan vom Curse ablenke, oder
vielleicht wieder eine Strecke rückwärts gehe, wie dieß bei dem Ein-
laufen in Häfen mittelst Lavirens öfter vorkomme. Es wurde des-
halb die Einschaltung des Wortes „willkürlich" als überflüssig abge-
lehnt. Eine Deviation ist aber auch dann nicht vorhanden, wenn der
Schiffer, hauptsächlich im Interesse des Versicherers, abweicht, z. B.
statt bei großem Eisgang durch den Sund zü gehen, um aus der
Ostsee in die Nordsee zu gelangen, durch den großen Belt seinen Weg
nimmt. Der sichere Weg ist immer auch der richtige. Wer diesen
einschlägt, von dem wird Keiner sagen, daß er vom Wege abgewichen
sei. Statt von dem „üblichen Wege" wurde gewählt „dem der ver-
sicherten Reise entsprechenden", weil es bei dem jetzigen Stande der
Schifffahrt zwischen einer großen Anzahl von Seeplätzen verschiedene
Wege gibt. — Als völlig zweifellos wurde auch von der Conferenz
— Prot. S. 3187 — angesehen, daß wenn die Reihenfolge bestimmt
sei, in welcher die verschiedenen Zwischenhäfen angelaufen werden
sollen, in dem Anlaufen eines Hafens außer der Reihe eine Devia-
tion liege. Unentschieden bleibt dagegen die Frage, wenn die Reihen-
folge als festgestellt anzusehen, und ob dieß insbesondere schon dann
der Fall sei, wenn in der Police mehrere Häfen neben einander auf-
geführt sind. *) — Ob ein Hafen als in der versicherten Reise inbe-
griffen anzusehen sei, ist, nach Ansicht der Conferenz — Prot.,
dürfe und der Versicherte nicht befugt sei, das Schiff nach einem, obgleich näher
gelegenen Hafen gehen zu lassen, welchen die Police nicht erlaubt, weil die Mög-
lichkeit der Gefahr auch hier nicht ausgeschlossen ist. Der Versicherer trägt in
diesem Falle die Gefahr nur dann, wenn der Schiffer den näheren Hafen aus
einer dringenden Ursache, oder mit Bewilligung des Versicherers einging und
daselbst seine Reise beendigte.
*) Benecke nimmt a. a. O., S. 407 an, daß im Zweifelsfalle die geogra-
phische Ordnung anzunehmeu sei, und belegt dieß durch einige englische Entschei-
dungen.

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