Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

Königreich Preußen. Art. 320—322.

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Zu Art. 820—322.
Abschluß eines Kaufvertrags. — Versuch des einen
Contrahenten, nach erfolgtem Abschluß Modificationen
zu erwirken, unter Berufung auf eine hypothetische
Aeußerung des offerirenden Verkäufers.
Heinrich Murr in München offerirte dem Carl Elkan in Frank-
furt a. M. mit Schreiben vom 19. December 1867 circa 70 Scheffel
Hafer ab München zu dem Preise von Fl. 8. 42 Kr. per 200 Zoll-
pfund gegen Tratte 14 Tage bei Verladung und Franco-Retournirung
der Säcke. Bezüglich der Fracht bemerkte Murr. Elkan möge sich
dieserhalb erkundigen, er vermuthe, sie betrage 30 Kreuzer per
Zollcentner.
Nachdem Elkan diese Offerte mit Telegramm vom 21. Decem-
ber acceptirt und die Verladung auf Anfangs Januar beordert hatte,
schrieb derselbe am 23. December, Kläger möge sich erst in München
über die Fracht erkundigen; betrage der Satz 30 Kreuzer pr. Centner,
so solle Murr verladen, bei höherer Fracht aber die Verladung unter-
lassen oder er werde demselben für 200 Pfund frachtfrei Frankfurt
Fl. 9. 42 Kr. gegen Abgabe 14 Tage nach Abladung berechnen.
Murr, der sich bereits mit der Verladung per Anfang Januar
einverstanden erklärt hatte, schrieb hierauf unter dem 24. December
an Elkan, daß er diese Modificationen vollkommen unberücksichtigt
lassen werde, daß er die Bemerkung hinsichtlich des Frachtsatzes nur
als Vermuthung hingestellt und daß es Sache des Elkan gewesen sei,
sich vor Annahme der Offerte hierüber zu erkundigen, er halte daher
den Hafer zur schlußgemäßen Verladung bereit. Elkan antwortete
auf dieses Schreiben nicht, nahm auch den übersandten Hafer in Em-
pfang, honorirte dagegen die auf ihn gezogene Tratte nicht, schrieb
vielmehr an Murr, daß dieser seine Dispositionen hätte abwarten
müssen, da er nur unter der Voraussetzung, daß die Fracht 30 Kr.
betrage, die Offerte acceptirt habe, daß er darum die Differenz des
Mehrbetrags der Fracht in Abzug bringen müsse u. s. w.
Murr erhob hierauf Klage auf Zahlung des ursprünglich ver-
einbarten Kaufpreises.
Das Stadtgericht in Frankfurt a. M. verurtheilte den
Beklagten Elkan zur Zahlung nach dem Klageanträge, indem es aus-

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