Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 15 (1869))

68 Königreich Preußen. Art. 708, Nr. 3. 705.
3. November 1866 im Aufträge der Kläger vollständig gelöscht und
nach Bezahlung der vollen Fracht an den Bestimmungsort gebracht
gewesen sei, zu einer Zeit, als die Möglichkeit der Abbringung des
Schiffs noch völlig ungewiß gewesen sei. Diese Abbringung sei erst
am 6. November durch die gerichtliche Commission beschlossen wor-
den, mithin könne die Abbringung als eine Rettung aus gemeinschaft-
licher Gefahr für Schiff und Ladung nicht angesehen werden. Eben-
sowenig seien die Kosten im Nothhafen Pillau zur großen Haverei zu
rechnen, weil das Schiff nicht den Erfordernissen des Art. 708, No. 4
des H.-G.-B. gemäß zur Vermeidung einer dem Schiff und der
Ladung gemeinsamen Gefahr in Pillau eingelaufen sei.
Auch diese Ausführung ist vom Tribunal verworfen aus folgen-
den Gründen:
Hinsichtlich der Abbringung des Schiffs ergibt die von dem
Verklagten in Bezug genommene Verhandlung vom 9. November
1866, daß schon am 2. November, also am Tage nach der Strandung,
von der gerichtlichen Commission diese Abbringung beschlossen und
angeordnet worden ist. Ist in Folge dessen die Ladung gelöscht und
von den Klägern (noch vor Bewirkung der Abbringung) ihrerseits
nach dem Bestimmungsorte geschafft worden, so geschah letzteres doch
nach dem Reverse vom 3. November 1866 auf Grund eines beson-
dern Abkommens mit dem Führer des Schiffes, welcher dadurch, daß
er schon bei dieser Gelegenheit die Maaren herausgab, kein Recht hat
ausgeben, sondern nur den Wünschen der Ladungsintereffenten hat
entsprechen wollen. Mit Rücksicht aus den Beschluß der gerichtlichen
Commission kann es aber keinem Zweifel unterliegen, daß die Heraus-
bringung der Ladung aus dem Schiffsräume an sich lediglich eine
zur Abbringung des Schiffs nothwendige Thätigkeit und diese Ab-
bringung selbst eine mit Rücksicht auf das gemeinsame Interesse von
Schiff und Ladung angeordnete Maßregel war. Daher sind nach
Art. 708, No. 3, alin. 2 in Verbindung mit Art. 702 flg. des
H.-G.-B. die Abbringungskosten allerdings zur großen Haverei zu
rechnen.
Aus ebendenselben Gründen gehören aber hierzu auch die Noth-
hafenkosten nach Art. 708, No. 4, weil das Einlaufen in den Noth-
hafen zu Pillau allerdings zur Vermeidung einer dem Schiffe und
der Ladung im Fall der Fortsetzung der Reise drohenden gemein-

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