Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

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Königreich Preußen. Art. 708, Nr. 3. 705.

Am 1. November 1866 kam das Schiff Erndte bei heftigem
Sturm vor Pillau. Nach dem Inhalte des Verklarungsprotocolls
und allen sonstigen Ermittelungen war die Strandung des Schiffs
unvermeidlich. Diese Strandung würde aber ohne intervenirende
Thätigkeit des Capitäns an der Südsleinmole erfolgt sein, eine Stran-
dung an dieser Stelle würde aber eine Zertrümmerung des Schiffs
und Verlust des Schiffs und der Ladung zur Folge gehabt haben.
Der Capitän ließ daher das Schiff an einer andern Stelle stran-
den, wo die Abbringung desselben und die Rettung der Ladung später
möglich geworden ist.
Die klagenden beiden Versicherungsgesellschaften haben gegen
den Capitän, als Vertreter der Rhederei des von ihm geführten
Schiffs, beantragt:
der das Schiff Erndte betreffenden Dispache die Bestätigung
zu versagen und die Rhederei mit ihren Ansprüchen auf
Repartition des bei Strandung des Schiffs erlittenen Schadens
nach den Grundsätzen der Haveriegrosse auf Schiff und
Ladung abzuweisen.
Sie haben dabei ausgeführt:
1) Es träfen die durch Art. 708, No. 3 des H.-G.-B. festgestell-
ten Erfordernisse der Haveriegrosse im vorliegenden Falle nicht zu,
weil einmal eine Strandung überhaupt unvermeidlich gewesen,
und es daher unerheblich sei, wenn diese Strandung nur an einem
weniger gefährlichen Orte bewirkt worden wäre, da diese Thätig-
keit immer nicht auf einem freien Entschluß des Schiffers beruht
habe und gesetzlich die Strandung überhaupt, nicht aberblos
eine b e st i m m t e A r t der Strandung beabsichtigt sein müsse; sodann
aber auch bei der Strandung lediglich die Absicht vorgewaltet habe,
das Leben des Schiffsvolks zu retten.
Dieser Ausführung ist indessen vom Richter nicht beigetreten;
es ist vielmehr ausgeführt, daß der Fall einer großen Haverei als
voikhanden anzunehmen. Nach Art. 708, No. 3 und 705 sind die
Voraussetzungen der großen Haverei im Fall der Strandung:
a) daß der Untergang (d. h. nicht allein das Sinken, sondern
überhaupt die Zerstörung, das gänzliche Zugrundegehen im allge-
meinen Sinn), beziehungsweise die Nehmung des Schiffs und der

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