Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

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Königreich Sachsen. Art. 345.

Ein auf der Eisenbahn und bez. Wagen transportirtes Faß
Branntwein war bei dem Käufer angekommen, zerplatzte aber hier bei
dem Transporte durch die Hausthür. Der Beklagte .schob dkW auf
die nachgewiesene schlechte Beschaffenheit des Fasses, wurde aber nichts-
destoweniger in die geklagte Bezahlung des Preises verurtheilt, weil
die Gefahr der gelieferten Waare bereits auf Beklagten übergegangen
war — Art. 345 —, derselbe auch die Sorgfalt eines ordentlichen
aufmerksamen Hausvaters nicht angewendet, worauf ihn die Warnung
des abliefernden Fuhrmanns hätte aufmerksam machen sollen, vielmehr
er das nicht recht dauerhafte Faß durch die Hausflur hatte rollen
lassen, statt daß er dasselbe in Ketten hätte tragen, oder vorher den
Branntwein auf ein anderes Faß umziehen lassen sollen.
(Ueber die Grundsätze bei Verpackung der Waaren vgl. Archiv,
XI. Bd., S. 473 und XII. Bd., S. 440.)
Zu Art. 345..
Gefahr bei von auswärts übersandten Waaren. —
Unrichtige Postdeclaration.
Von der beklagten Firma ist eingeräumt worden, daß sie bei der
klagenden Firma die in der Klage erwähnte Quantität Holzessigsäure
bestellt, und deren Zusendung durch die Post verlangt habe. Kamen
nun Kläger dieser Anweisung nach und sendeten sie die bestellte Holz-
essigsäure durch die Post an die beklagte Firma ab, so hatten sie an
sich alles dasjenige gethan, was ihnen zu thun oblag, um die Beklagte
zur Bezahlung des Kaufpreises verbindlich zu machen, ohne daß es
für sie erforderlich gewesen wäre, den richtigen Eingang der Sendung
bei der Beklagten zu behaupten und bez. nachzuweisen. Auch war an
sich, wenn die Waare auf dem Transporte durch einen Unfall be-
troffen wurde, die beklagte Handlung als diejenige anzusehen, welche
den dadurch erwachsenen Schaden zu tragen hatte, es wäre denn, daß
ihrerseits die Behauptung aufgestellt und der Nachweis geführt zu
werden vermöchte, es sei der fragliche Unfall durch eine Schuld der
Absender und zwar entweder durch eine positive Handlung derselben
oder durch ein von ihnen zu vertretendes Unterlassen der nothwendigen
Vorsichtsmaßregeln verursacht worden.
Von der Verpflichtung zu einem solchen Nachweise, welche in den
bezüglich der Tragung der Gefahr bei von auswärts übersendeten

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