Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 15 (1869))

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Abhandlungen.

ihr Auge nicht dem mächtig wachsenden Fortschritt des Verkehrs und
der kaufmännischen Speculation, und ihr Ohr nicht dem lautwer-
denden Bedürfniß nach möglichster Beseitigung aller nicht unbedingt
nothwendigen Beschränkungen und Hemmnisse des Handels und
Wandels verschließen darf, sind die vom Verfasser wiederholt, zum
Theil in verstärktem Maße, geltend gemachten Gründe und Erfah-
rungen gewiß vorzüglicher Beachtung werth. Wir erkennen dieses voll-
kommen an. i) Schon in unserer früheren Erörterung haben wir diesen
wichtigen Gesichtspunkt nicht außer Acht gelassen, sondern unter Be-
zugnahme auf eine treffende Bemerkung Endem ann's und aus die
vorauszusehende Aufhebung der beschränkenden Wuchergesetze aus-
drücklich darauf hingewiesen, wie die Frage von der Gesetzgebung
ernstlich erwogen zu werden verdiene, ob es nicht besser wäre, unter
Beseitigung der bezüglichen, die Freiheit des Verkehrs, der in gewal-
tigem Maße wächst, hemmenden Schranken, den Mißbrauch jenes
nicht unbedingt zu mißbilligenden Rechtsgeschästes blos derjenigen
Strafe zu überantworten, die er im Kreise ehrenhafter Kaufleute und
gegenüber der guten Meinung der Mitbürger und der besseren Sitte
von selbst nach sich zieht.
Seitdem ist die deutsche Rechtsentwickelung, gleichwie die Ent-
wickelung der Verkehrsverhältnisse, keineswegs stehen geblieben. Beide
haben vor der Mainlinie nicht Halt gemacht, sondern sind rüstig
vorangeschritten.
Namentlich hat sich ein nicht gering zu achtendes Organ des
deutschen Rechtsbewußtseins, der d e u t s ch e I u r i st e n t a g (zu Mün-
chen im Jahre 1867) auf den lichtvollen Vortrag des Or. Jacques
aus Wien in voller Versammlung einstimmig für den Grundsatz
ausgesprochen 2), die Wucherstrafgesetze und diejenigen Be-
stimmungen, welche aus dem bisher in Geltung bestan-
denen Grundsätze der Beschränkung der Zinsfreiheit
1) Obwohl uns in einzelnen Punkten die Ausführung des Verfassers von
Uebertreibung nicht ganz frei zu sein scheint.
2) Verhandlungen des sechsten d. Juristentages, Bd. 3, S. 325—335.
Hiermit ist die Verhandlung der combinirten ersten und zweiten Abtheilung, eben-
dort S. 82—117 zu vergleichen. Die erhobenen Gutachten von vr. Go ldschm i d t
und vr. Schasfrath finden sich in Bd. I, S. 227 und 395; beide stehen in der
Hauptsache im Einklang mit obigem Ausspruch.

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