Full text: Archiv für Theorie und Praxis des allgemeinen deutschen Handelsrechts (Bd. 15 (1869))

Die kaufmännische Dispositionsstellung.

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Voraussetzungen der Käufer sich auch eine theilweise Erfüllung
gefallen lassen muß, einerlei ob die Erfüllung überhaupt nur theik-
weise oder zum Theil contractwidrig stattfand. Es kommt also hier
nur darauf an, ob die Leistung als ein untheilbares Ganzes
zu betrachten ist oder nicht.
2. An sich wird, wenn die Parteien nicht ausdrücklich oder
stillschweigend etwas anderes bestimmt haben oder wenn der Käufer
nicht ein specielles Interesse nachzuweisen vermag, daß ihm nur mit
der Lieferung des Ganzen gedient fein kann, überall da, wo es sich
mit die Lieferung von fungiblen Sachen handelt, die Leistung als
eine theilbare aufzufassen sein."i) Indessen ist hier doch zu
unterscheiden. Je nach der Beschaffenheit der Maare kann nament-
lich im Großhandel dem Käufer nicht zugemuthet werden, ein Collo,
welches zum Theil fehlerhafte Maare enthält, mag diese Maare im
Uebrigen auch noch so sehr als res fungibilis erscheinen, auszupacken
und zu sortiren, um so den fehlerlosen Theil von dem fehlerhaften
zu trennen. Der Käufer kann hier nicht verpflichtet sein, den fehler-
freien Theil zu behalten und nur wegen des fehlerhaften zur Dispo-
sitionsstellung für berechtigt erklärt werden, vielmehr sind je nach
der Natur der Maare die einzelnen Colli als solche Gegenstand des
Kaufs und demnach je als ein Ganzes zu betrachten. "2)
Ob der Käufer ein besonderes Interesse daran hat, daß er das
Ganze, und nicht blos einen Theil erhalte, ist nach den besonderen
coucreten Verhältnissen zu beurtheilen. So kann es z. B. keinem
Zweifel unterliegen, daß wenn ein Metzger sich verbindlich gemacht
hat, an einen Händler oder Gerber oder wem sonst alle in seinem

1S1) Fick, a. a. O., S. 152; Auerbach, a. a. £>., II, S. 103; Erk. des
O.-A.-G. Lübeck in der Frankfurter Vereinsversammlung (bei Sauerländer),
III, S. 15. Wo es sich um fungible Sachen handelt, auch außerdem der Preis
für die einzelnen Gegenstände sei es in bestimmten Summen oder nach der Maß-
einheit festgesetzt worden, also die Präsumtion für die Theilbarkeit der Erfüllung
spricht, der Käufer jedoch bei theilweisem Verzüge oder theilweiser contractwidriger
Erfüllung die objective Zusammengehörigkeit der einzelnen Kaufobjecte behauptet
und demgemäß die Berechtigung zur totalen Redhibition beansprucht, so liegt es
dem Käufer ob die von ihm behauptete objective Zusammengehörigkeit zu beweisen.
Fick, a. a O., S. 164
***) Fick, a. a. £>., S. 153; Erk. des O.-A.-G. Lübeck in Kl et k e' S Präju-
dizien, Nr. 1256.

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