Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

Die kaufmännische Disposilionsstellung.

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pflegen, zu öffnen und zu Untersuchen.^) Auch kann besonders bei
dem Einkauf kleinerer Partien der Käufer nicht gehalten sein, obgleich
an und für sich zur rechtzeitigen Dispositionsstellung auch der
Nichtkaufmann verpflichtet ift,68) eine Untersuchung vorzunehmen,
die, da sie nothwendig einen Theil der Maare ihrer Substanz nach
consumirt und vertilgt, für ihn mit Kosten und offenbarem Schaden
verknüpft ist. So ist z. B. der Restaurateur, der Champagner ein-
gekauft hat, nicht gehalten, eine Flasche zu öffnen und zu versuchen,
sondern ist er vollkommen berechtigt zu warten, bis gelegentlich solcher
Wein von seinen Kunden verlangt wird.^s) Anders dagegen, wenn es
möglich ist, mit einer kleinen Partie der Maare alsbald eine Probe
ohne besondere Kosten und Schwierigkeiten vorzunehmen (z. B eine
kleine Partie Leim zu kochen, um sich von dessen Qualität zu über-
zeugen). Hier darf der Käufer nicht warten, bis es ihm gerade nach
Bedarf und Laune convenirt, die fragliche Maare in Verbrauch zu
nehmen, sondern hat er binnen kürzester Frist den geeigneten Versuch
mit derselben anzustellen.?") Auch ist bei Bemessung der Frist zur
Anzeige und Dispositionsstellung darauf Rücksicht zu nehmen, wenn,
wie es häufig im Engroshandel geschieht, die Maare gar nicht an
den Käufer, sondern direct weiter an einen Dritten, einen Kunden des
Käufers gesendet wurde.^)
Dagegen ist der Käufer keineswegs verbunden, die von dem Ver-

<») Treitschke, a. a. O., S. 362. Anm.
88) Treitschke, a. a. O., S. 361, Anm,«; Handelsgericht Bremen, in
Busch, Archiv, XI, S. 11.
69) Comm.- und Admir.-Colleg. Danzig in B usch Archiv, III, S. 98.
70) O.-A.-G. Dresden in Archiv f. H.- und W.-R., XV, S. 410; St.-G.
Berlin in Busch, Archiv III, S. 91. Jedoch ist bei Bemessung der Frist zur
Dispositionsstellung wieder auf den Umstand billige Rücksicht zu nehmen, ob die
Probe selbst nicht etwa zeitraubender Vorrichtungen bedarf, z. B. daß eine ange-
kaufte Retorte erst in einen erbauten oder gar erst noch zu vollendenden Ofen
behufs der Probe eiuzusetzen ist. Handelsger. Braunschweig in Busch, Archiv,
VIII, S. 248.
71) H.-App -Gericht Nürnberg in Busch, Archiv, IX, S. 367. Denn hier
geht die Dispositionsstellung zuerst von dem Dritten aus an den Käufer und erst
von diesem an den Verkäufer. Indessen kann sich der Käufer b ei verspäteter
Anzeige nicht etwa damit entschuldigen, daß ihm sein Abnehmer seinerseits ver-
spätet zur Disposition gestellt habe. H.-A.-G Nürnberg a. a. O.

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