Full text: Volume (Bd. 15 (1869))

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Abhandlungen.

werden, daß der Versteigerungs-Termin nicht über 6—8 Wochen
hinausgesetzt werden dürfe, und daß im Falle keine Gebote erfolgen
und der Gläubiger sich nicht das Pfand um die Taxe zuschlagen
lassen will, die betreffende Gemeinde zur Entrichtung von Zinsen,
wenn auch im geringeren Betrage, und eventuell nach einiger Zeit
zur Abtragung des Capitales gegen Ueberlassung der Psandstücke
angehalten würde. Eine solche Bestimmung,^) sowie eine Straf-
Androhung^) gegen solche, welche die in ihrem Besitze befindlichen
Hypothek-Stücke zum Nachtheile des Hhpothekgläubigers devastiren
und dem letzteren das leere Nachsehen lassen, würde wegen des eige-
nen Interesses der Gemeinden zur Aufrechterhaltung ihres Credites
heilsam wirken. — Auch versteht es sich von selbst, daß der im Range
vorgehende Gläubiger durch eine von einem nachstehenden Gläubiger
herbeigeführte Zwangsversteigerung gar nicht berührt wird, wenn er
nicht speciell dazu eingewilligt hat, oder durch den Erlös unter Vor-
behalt des Eigenthumes des Verpfänders und seines vorgehenden
Pfandrechtes völlig gedeckt ist.
II. Der Staat hat keineswegs die Aufgabe, selbst die Angelegen-
heit zu betreiben, er soll nur nicht hindernd entgegentreten und kann
getrost der Privat-Jndustrie die Errichtung von Boden-Credit-Anstal-
ten überlassen. Etwa nur aus dem Wege öffentlicher Belehrung und
Empfehlung kann da, wo ein lebhafteres Bedürfniß des Realcredites
sich gezeigt hat, zur Hebung desselben eingewirkt werden. „Ilelx^our
seif" ist auch hier das beste und vollkommen zureichendste Mittel.
III. Die Gewährung unkündbarer Darlehen liegt ganz im In-
teresse des Grundbesitzes, indem dieser nicht im Stande ist, wie im
Handel, das Capital schnell umzusetzen, vielmehr genöthigt ist, das
Capital fest zu legen und dasselbe erst nach Verlauf von längerer Zeit
sich reproducirt. Der Zinssatz muß so billig als möglich sein, was

a*) Eine solche besteht seit den Verordnungen von 1771 und 1777 im Großh.
Hessen, indem danach die Gemeinde drei Procent Zinsen zahlen und wenn Umtriebe
der Gemeinde daran schuld sind, sogar für die ganze Schuld haften muß, bis sich
ein annehmlicher Käufer findet.
3b) Gewöhnlich ist in den Strafgesetzbüchern nur die Beschädigung, Ver-
nichtung bereits gepfändeter Gegenstände mit Strafe bedroht: es müßte diese
Bestimmung etwas erweitet werden. Der Art. 330 des St.-G.-B. für Bayern
von 1861 Art. 330 ist auch noch zu enge.

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